Der ZEIT sollte man immer trauen können, auch ihren Rezensionen.

Zufälligerweise habe ich Karoline Hilles Buch mit den Biografien von fünf modernen Malerinnen in die Hand bekommen, bevor ich Elke von Radziewskys Besprechung lesen konnte. Ist schon Misstrauen geboten, wenn eine Rezensentin den Leser gleich vereinnahmt (Leute wie dich und mich), denn ob der Leser einer wie sie sei, sollen wir dahingestellt lassen, so verblüfft, wenn ein Text nicht mit den naheliegenden Kriterien analysiert wird. Hier wäre doch zu prüfen gewesen, ob Karoline Hille die Biografien von fünf Malerinnen korrekt wiedergibt und spannend erzählt. Und das tut sie. In der ZEIT wird danach nicht gefragt und natürlich nicht darauf geantwortet.

Bis auf Paula Modersohn wusste ich nur sehr wenig oder nichts über diese außerordentlichen Frauen. Ihre Lebensläufe, so wie sie Karoline Hille wiedergibt, haben mich fasziniert. Wenn Ihre Rezensentin schreibt, die Lektüre des Buches habe sie am nächsten Tage nur noch mit Widerwillen erfüllt, dann ist bei einem so harschen Urteil eine deutliche Begründung nötig. Die Lebensläufe der Künstlerinnen sind nämlich durchaus fesselnd erzählt und schließen wahrscheinlich bei vielen wie bei mir peinliche Wissenslücken. Ich gestehe, dass ich von den großen Künstlerinnen der Moderne, geschweige denen der Vergangenheit, kaum etwas weiß. Wenn da kompetent faszinierende Frauenschicksale ausgebreitet werden, wie das bei Hille geschieht, ist kaum begreiflich, wie da jemand Widerwillen verspürt. Zu prüfen war doch: Berichtet die Autorin Falsches und erzählt sie langweilig?

Zu beiden Kardinalfragen für eine Rezension äußert sich Ihre Rezensentin nicht. Sie vermisst den reich bebilderten Kunstband, wo doch nichts als Biografien beabsichtigt waren.

Ihr Ärgernis sind offensichtlich allein die letzten 25 Seiten des Buches, in denen Karoline Hille unter der Überschrift Erinnern und Verschweigen über die Rezeption des Werkes von Malerinnen in einer Zusammenfassung berichtet. Und hier wird in der Tat etwas herausgearbeitet, was Ihre Rezensentin offensichtlich nicht lesen mag: dass es nämlich eine von Männern gemachte Kunstgeschichte gibt, in der Künstlerinnen leicht untergehen.

Ich bin ein alter Mann und habe mit Emanzen nichts am Hut, aber 15 Jahre als Kultusminister (von 1975 bis 1990 in Bremen, Anm. d. Red.) haben mich gelehrt, dass es bis heute für Frauen außerordentlich schwer ist, als Malerinnen mit Männern gleichzuziehen. Unsere Gesellschaft hat da noch einen immensen Entwicklungsbedarf.

Mich ärgert das pubertäre Gehabe oft junger intellektueller Frauen, wenn sie gegenüber der Betonung besonderer Frauenschicksale Widerwillen empfinden, weil solche Probleme vermeintlich längst gelöst seien. Warum geniert es Frauen, wenn über die Schwierigkeiten von Frauen berichtet wird? Bei wem wollen sie sich anbiedern? Dass es Künstlerinnen in der Vergangenheit schwer gehabt haben, ist ein Fakt, den Karoline Hille an ausgewählten Biografien überzeugend darstellt.