Mal hängt Zhang Huan sich, in Eisenketten gefesselt und zur Ader gelassen, unter die Decke seiner Wohnung, mal schmiert er sich mit Honig und Fischöl ein und zieht die Fliegenschwärme einer verwahrlosten Toilette Pekings auf sich. In Hamburg legte sich der chinesische Künstler zur Ausstellungseröffnung in einen Taubenkäfig und ließ die Vögel über seinen sonnenblumenkernverklebten Rücken hinwegspazieren wie über einen öffentlichen Platz. Aus Zhangs Aktionen der frühen neunziger Jahre platzte die Rebellion gegen das chinesische Regime, seit 1998 lebt er in New York. Ob nackt im Käfig, ob im blutigen Schweinerippen-Korsett, ob in Peking, New York oder Hamburg: in mal eindringlicher, mal plakativer Bildsprache erzählt Zhangs Körper Geschichten von Unfreiheit und Einsamkeit. In seinen Spektakeln gibt es viel Rot: rote Käfige, Halsbänder, Hundeleinen. Das politische Rot Chinas nennt Zhang ein flaches gegen diese flache Farbigkeit setzt er das Pulsieren des lebendigen Körpers. Auf bestechend schönen, großformatigen Hochglanzfotos jedoch sind Zhangs Aktionen, sind Blut und Körper, Fischöl und Taubenkot auf eine fast zu glatte Flächigkeit gebracht. (Bis zum 9. Februar im Kunstverein Hamburg, ab 2. April im Museum Bochum.)