Wer nicht über eine gewisse Fernsehbildung verfüge, hat der große Lyriker Peter Rühmkorf unlängst dieser Zeitung gesagt, scheine ihm irgendwie geistig unterbelichtet. "Unterbelichtet" ist natürlich treffend, "geistig" ist etwas problematisch, andererseits, wie soll er das sonst nennen? Dieses "irgendwie" passt wieder, und gut ist auch und bleibt im Bild: "scheine ihm". Apropos Bild, so ist "Fernsehbildung" ein gelungenes Wort, vor allem eine solche Bildung, die gut mit jenem "irgendwie" mit der geistigen Unterbelichtetheit harmoniert. Gut, dass gestern dieser Krieg nicht losgegangen ist, denn bei mir ist im ganzen Haus das Fernsehen ausgefallen, irgendwie unterbelichtet hätte ich dagesessen, mich im Frieden wähnend, während alle andern, fernsehgebildet, längst gewusst hätten, dass das nicht so ist. Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner sieht ihn: Läuft es einem da nicht kalt über den Rücken? Ob ich kein Radio habe? Ich schon, aber - ja, das ist es: Wir legen zusammen und schenken Rühmkorf ein Radio. Ich gebe schon einmal zehn Cent, das klingt wenig, aber mit Recht ist Rühmkorf der, den alle lesen, da kommt ein fabelhaftes Radio zusammen. Ich bring es hin, hoffentlich macht er auf, und es ist nicht gerade Krieg und er sieht fern.