Zuoberst der Mensch, darunter die Tiere und ganz unten die Pflanzen: Mit solch schlichter Rangordnung rechtfertigen die Menschen ihre unsäglichen Tierquälereien. Begründet wird das nie, sondern mit Entrüstung abgewiesen, dass es anders sein könnte. Dieser Hierarchie liegt die menschliche Nutzung der Umwelt zugrunde, von Ackerbau und Viehzucht bis zu den Varianten industrieller Tier- und Bodennutzung. Die EG-Fleischverordnungen sorgen für eine flächendeckende Fleischversorgung, jeder kann so viel Fleisch fressen, wie er will, der riesige Überschuss wird weggeworfen. Und wenn in 20 Millionsteln des Schlachtviehs ein Erreger gefunden wird, der das menschliche Gehirn schädigen könnte, dann vergasen oder töten die Menschen eben auch ein paar Millionen solcher Tiere, die damit nichts zu tun haben, sicher ist sicher. Keineswegs ist der Mensch überall gleichermaßen grobschlächtig.

Zuletzt aus der Philosophie der Aufklärung lernte er Moral. Derselbe Politiker, der die Schlachtung für Mensch und Müllhalde kaum für erwähnenswert hält, weiß ein Klagelied gegen jede Form von (human-)sozialer Diskriminierung zu singen: Alle Menschen seien gleich, wenn einige (das sind die, die der Politiker nicht umwirbt) ein bisschen alerter reden oder sich geschickter benehmen, mache sie das nicht zu wertvolleren Menschen. Wie wahr!

Menschen sind beim Fallenstellen schlauer als Tier und Pflanze und artikulieren sich (vermutlich!) smarter, der Rest und die Essenz sind Gleichheit: ein Zyklus von Geburt, Wachstum und Tod. Wenn also Schlauheit und Artikulationsgrad keinen moralischen Unterschied machen, dann lässt sich die Qual der Tiere moralisch nicht rechtfertigen. Kein schönes Ergebnis nach 50 000 Jahren Homo sapiens, der Bundeskanzler ist dann moralisch dort einzuordnen, wo ein rohfleischverzehrender Stammeshäuptling im Neandertal stand.

Hans Wollschläger beklagt diesen Zustand erbittert. Vier Beiträge, an unterschiedlichen Orten erstveröffentlicht und zu unterschiedlichen Aspekten des Tierschutzes Stellung beziehend, hat er zu einem Buch zusammengefasst, in dreien hält er der Menschheit ihre Amoralität vor, einer setzt sich mit dem Tierschutzgesetz auseinander. Sein Plädoyer gegen die Fleischernährung muss man nicht weiter kommentieren, sie sei Gewohnheit und medizinisch vermutlich das Gegenteil von gesund. Nun, die Menschen äffen keineswegs immer die Berühmten nach, aber man darf ihnen doch die lange Liste prominenter Vegetarier entgegenhalten, sie reicht von Wilhelm Busch über Madonna und Prince bis zu Rousseau und Voltaire.

Wir nehmen dem Tier die Sonne

Dem Satz des Plutarch "Für einen Bissen Fleisch nehmen wir einem Tier die Sonne und das Licht und das bisschen Leben und Zeit, an dem sich zu erfreuen seine Bestimmung gewesen wäre" muss man auch nichts hinzufügen. Aber muss man nicht sagen, wie eine Regierung dieses moralische Gebot umsetzen soll?

Wollschläger schweigt nicht. Der Staat achte scharf darauf, dass die Fleischpreise immer entlang der von ihm gewollten Höhe verlaufen