Der Vater verwaltete die Güter des Domkapitels, dadurch konnten seine Söhne sich klerikalen Studien widmen. Als 14-Jähriger wurde er in das Pariser College Montaigu geschickt, um die freien Künste und Theologie zu studieren.

Als er 18 war, überwarf sich der Vater mit den Domherren, und sie verhängten den Kirchenbann über ihn. Der Sohn musste das College verlassen und begann in Orléans mit dem Studium der Rechte.

Schon früh kam er in Kontakt mit der Gedankenwelt des Humanismus. Sein damaliger Lehrer war ein moderner Pädagoge und Verfechter einer auf Humanität bedachten Christus-Frömmigkeit. Während des Jurastudiums schloss er sich jungen Gelehrten an, deren Ziel die innere Erneuerung von Kirche und Gesellschaft im Sinne des Evangeliums war. Er lernte Griechisch, sodass er den Originaltext des Neuen Testaments lesen konnte. Doch erst beendete er sein Studium als Diplomjurist.

Der Tod des Vaters veränderte seine Pläne. Er ging wieder nach Paris, um aus eigenem Wunsch Vorlesungen in klassischer und christlicher Altertumskunde zu hören. Unbelastet durch Thesen der herkömmlichen Schultheologie, widmete er sich der Bibel und evangelischen Schriftstellern seiner Zeit. Es zog ihn zu den Reformern, die von den Theologen der Sorbonne mit inquisitorischen Mitteln bekämpft wurden. Als der neue Rektor und Freund zur Eröffnung des akademischen Jahres eine reformistische Rede hielt, erging ein Haftbefehl gegen ihn und seine Freunde. Er musste fliehen.

Er suchte einen Weg, um Kirche und Christenheit in ihrer ursprünglichen Reinheit zu Ehren Gottes wiederherzustellen. Als Theologe wurde er erst durch die Veröffentlichung seines ersten Buches, einer christlichen Lehre für gebildete Laien, bekannt, das mit einem Widmungsschreiben an den König begann, in dem er um Verständnis für seine Darlegungen bat.

Ein Biograf schreibt: Die Leistung des jungen Laientheologen ist in jeder Hinsicht bewundernswert. Nach wenigen Jahren Selbststudiums gelang es ihm, die wohl klarste systematische Darstellung der evangelischen Theologie seiner Zeit mit einer Menge meist treffender biblischer Belege und in einem ebenso kunstvollen wie leserlichen Latein zu schaffen.

Der Erfolg seiner Schrift veranlasste ihn, seine theologischen Kenntnisse zu vertiefen. Auf der Reise nach Straßburg traf er auf einen Gleichgesinnten, der ihm anbot, ihm bei der reformatorischen Umstellung seiner Gemeinde behilflich zu sein. Mit großem Eifer widmete er sich seiner Aufgabe und entwickelte klare Richtlinien in Bezug auf Kirchenzucht und Religionsunterricht. Er schrieb einen Katechismus und ein Glaubensbekenntnis, das zu befolgen und zu halten alle Bürger und Einwohner (der Stadt) sich eidlich verpflichten sollten. Der Stadtrat sollte über die Einhaltung der Bestimmungen wachen und die Widerspenstigen aus seinem Hoheitsgebiet ausweisen. Es kam zum offenen Konflikt mit dem Stadtrat. Die beiden Bekehrer wurden ausgewiesen.