Den Wunsch einiger Leser, welche mich um Rezepte aus der Kannibalenküche gebeten haben, kann ich zu meinem Bedauern nicht erfüllen. Über Dinge, von denen ich nichts verstehe, schreibe ich nur in der Bild- Zeitung. Zwar kann ich nicht ausschließen, dass mir schon mal ein verdächtiges Ragout aufgetischt wurde. Aber in meinem Beruf folgt man besser der Mahnung meiner Mutter, die ich fast täglich zu hören bekam: "Junge, red nicht lange, iss!" Leider Gottes war sie eine schlechte Köchin.

Sie konnte auch keine Bratkartoffeln braten. Niemand konnte es damals. Es gab nur eine Kartoffelsorte, und die war mehlig. Es gab nur ein Bratfett, das hieß Margarine oder Schmalz. Und es gab nur eine Sorte Pfannen, die waren krumm und zerbeult.

Früher galten Teflonpfannen als außerirdische Monster

Ich selbst bin erst sehr spät dahinter gekommen, wie Bratkartoffeln gebraten werden müssen, damit sie die Begeisterungsstürme entfachen, welche unsere Nation um jeglichen kulinarischen Kredit brachten. So möchte ich denn heute anstelle einer geschmorten Jungmädchenwade mein Lieblingsrezept für Bratkartoffeln verraten.

Erste Regel: ausschließlich am Vortag in der Schale gekochte Kartoffeln verwenden, Sorte Salatkartoffeln.

Zweite Regel: nur in einer Pfanne braten, deren Oberfläche das Anbrennen verhindert. Das schließt rustikale Eisenpfannen ebenso aus wie Edelstahl- und Kupferpfannen. Die Lösung – ich wage es kaum zu schreiben – heißt Hightech. Die begann mit der verabscheuten Teflonpfanne, welche damals für Qualitätsköche wirklich nicht verführerisch war. Sie gehörte wie die Mikrowelle zu den außerirdischen Monstern und entwand das Garen den Händen der brutzelnden Großmütter.

Zwar gerieten Spiegeleier in diesen Pfannen wunderbar, aber wer wollte sich das gewohnte Braten in der Pfanne von einem Kunststoffbelag abnehmen lassen? Wer wollte überhaupt sein Essen mit Kunststoff in Berührung bringen? Mein Gott, waren wir damals tapfer! Wie die ersten Christen verteidigten wir das Dogma von der Urküche ohne Kunststoff und ohne Mehlschwitze.

Später bekam der Teflonbelag der Pfannen andere Namen, und heute frage ich mich: Was ist daran so schön, wenn in den guten, alten Pfannen alles anbrennt?