Vor drei Jahren etwa deckten sich die Menschen nicht nur mit immer neuen Aktien ein, sondern auch mit neuen Wörtern, die von neuem Selbstbewusstsein kündeten. Der "Warmduscher" machte den Anfang, er verstand sich gut mit "Schattenparkern", "Sockenfaltern" und "Vorabendanreisern". Diese Worte vermehrten sich damals wie Geld – falls es denn in Aktien angelegt war. Und irgendwann, ganz klar, gab es auch den "Sparbuchanleger".

Sparbuchbesitzer hatten einen schweren Stand. "Sparbücher können Sie sich sparen", witzelte die Dresdner Bank. Sparstrumpf oder Sparbuch, das schien sich nicht viel zu geben.

Ein Werbespot aus jener Zeit ging ungefähr so: Opa will Enkelin ein Sparbuch schenken. Enkelin will das nicht. Will lieber Aktienfonds.

Wir Sparbuchbesitzer schämten uns ein wenig und schwiegen. Ein Glück, dass die Menschen, die auf Partys lärmend von steigenden Aktienkursen erzählten, von Optionen und von Emissionen, nicht in unsere Geldkassette gucken konnten, wo neben den silbernen Olympia-Münzen von 1974, Peseten vom letzten Spanienurlaub und der Kommunionsuhr von Tante Margarete auch die Sparbücher lagerten.

Dem Aktiendepot so überlegen wie ein Büttenbrief der E-Mail

Heute hören wir auf Partys von Depotbesitzern, die mittlerweile etwas leiser sprechen, dass die Aktien, für die sie vor drei Jahren ihre Sparbücher knackten, inzwischen viel weniger wert sind, als es die Sparbücher wären. Wenn es richtig schlecht für sie gelaufen ist, sogar weniger als die Hälfte. Jetzt werben die Banken wieder für das Sparbuch: "100 Prozent sicher" und "risikolos" sei es, verspricht die Allgemeine Beamten Kasse.

Damals aber schämten wir Sparbuchbesitzer uns, dachten jedoch nicht im Traum daran, die Bücher etwa gegen Aktiendepots einzutauschen. Dazu hatten wir diese Bücher längst viel zu lieb gewonnen.