Am Tag nachdem ich in dem Kasino hoch über dem Alexanderplatz gewesen war, gab es dort, nur wenige Stockwerke unter den Roulettetischen, einen schweren Wasserschaden. Ein Gast des Forum-Hotels, das seit ein paar Tagen gar nicht mehr Forum-Hotel heißt, hatte einen Kleiderbügel an einen Rauchmelder gehängt. Kurze Zeit später schon waren mehrere tausend Liter Wasser in den Flur und das Zimmer darunter gelaufen, die Aufzüge mussten abgestellt werden. Von solchen Gefahren ahnte ich nichts, als ich tags zuvor, fast ohne Angst vor Klein- und Großflugzeugen, auf dem wild gemusterten, noch trockenen Teppichboden am Kasinofenster stand und den Spielern beim Verlieren zusah. Von einem der Angestellten, die alle französischen Vokabeln so wunderbar brandenburgisch aussprechen, hörte ich den Satz: Springen Sie ruhig aus dem Fenster, aber nicht auf mein Auto!

Ich war hier, um zu sehen, ob ich die Aussicht mochte. Und ich überlegte, mich an dem Kunstprojekt einer Bekannten zu beteiligen, die den Monat Februar hindurch ein Zimmer in diesem Hotel gemietet hat, in dem jeder, der möchte, sich gegen eine geringe Einschreibegebühr so lange aufhalten kann, wie er will. Bis zu drei Tage am Stück. In diesem Zimmer im 34. Stock darf man tun und lassen, was man will, fernsehen, aus dem Fenster starren, schlafen, in einem der ausgelegten Bücher lesen oder einfach nur da sein. Da sein kann ja auch eine künstlerische Äußerung sein.

Als meine Bekannte mir von ihrem Kunstprojekt Touropa erzählte, mochte ich die Idee, dachte dabei, ich gebe es zu, allerdings mehr an den praktischen Nutzen. Wer zum Beispiel morgens nicht mehr so ganz nüchtern aus bewährten Lokalen wie dem Golden Gate oder dem Blumenladen kommt, könnte dort oben übernachten.

Ja, manche Nacht könnte, dank der freundlichen Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds, überhaupt erst ihren eigentlichen Höhepunkt erreichen, mit Roomservice, vielen Freunden und indonesischen Nudelgerichten bei Sonnenaufgang über Berlin. Da wusste ich noch nicht, was ein harmloser, falsch aufgehängter Kleiderbügel in so einem Hotelzimmer alles anrichten kann. Und erst später, ich hatte das Kasino schon wieder verlassen, fiel mir ein, was das letzte Mal passiert war, als einer meiner Bekannten eine Kunstaktion in einem sehr hohen Gebäude durchgeführt hatte. Dieser Bekannte, der Mann meiner Cousine, hatte mit seinen Kollegen der österreichischen Künstlergruppe Gelatin einen provisorischen Balkon ("The B-Thing") konstruiert und im 91. Stock des World Trade Center, Turm eins – genau dort, wo die Menschen etwas über ein Jahr später hinunterspringen mussten –, in den Sonnenaufgang hinausgeschoben. Mit den beiden Türmen nahm es bekanntlich kein gutes Ende, aber, beruhigte ich mich, das Hotel, das einmal das Forum-Hotel war, ist sicherlich viel weniger gefährdet. Solange nur die Kleiderbügel richtig aufgehängt werden.