Gerhard Schröder hat seinen Amtseid zwar geleistet, ohne sich der Hilfe Gottes zu versichern. In der Irak-Politik könnte sich der Kanzler aber nun zumindest auf dessen irdischen Stellvertreter berufen. Sehr direkt und sehr entschieden hat Papst Johannes Paul II. beim Neujahrsempfang des Diplomatischen Corps im Vatikan einen möglichen Waffengang gegen den Irak verurteilt: "Krieg ist niemals unvermeidbar. Krieg bedeutet immer eine Niederlage für die Menschheit." Statt Bomberstaffeln und Bodentruppen empfiehlt Johannes Paul II. das internationale Recht und die "vornehme Übung der Diplomatie" als Strategien zur Konfliktlösung.

Überraschend? Wohl kaum. Wenn der Papst an das unvermeidliche Leid erinnert, das Krieg mit sich bringt, spricht er - nicht nur für Christen - etwas Selbstverständliches aus. Das Echo, das seine Worte gefunden haben, verrät mehr über unseren gegenwärtigen Gemütszustand als über den Papst. Abend für Abend verfolgen wir in den Fernsehnachrichten den Aufmarsch der amerikanischen Soldaten

im Freundeskreis wird routiniert über den Termin für einen Sturm auf Bagdad diskutiert. Die Bilder und das Reden über den bevorstehenden Krieg sind allgegenwärtig - und verschleiern doch das künftige Geschehen. Auch die endlose Exegese des möglichen deutschen Abstimmungsverhaltens im UN-Sicherheitsrat verpackt den Krieg in einen Kokon nüchterner Nachrichten. Wir wissen zwar, dass der Krieg ein tödliches Geschäft ist. Trotzdem sind wir überrascht, wenn einer das offen ausspricht, wie der Papst es jetzt getan hat.