Ich will nicht reaktionär klingen, aber warum muss Europa, um die muslimischen Einwanderer zu integrieren, auf sich selbst verzichten und zu einem werteneutralen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Gebilde mutieren, das sich nur kleinkrämerisch um Einwanderungsquoten streitet? Man stelle eine solche Forderung an die Welt des Islam, man stelle eine ähnliche Forderung an Israel, an die hinduistischen oder buddhistischen Länder, und schon wird ein Aufschrei der Empörung durch die Runde gehen.

Wojciech Zelaniec Zielona Gora, Polen

Kermani folgt einer Utopie, wenn er im Europa 2003 eine säkularisierte Gesellschaft vor sich sieht, die "eine weltliche, prinzipiell allen Bürgern offene Willensgemeinschaft propagiert". Das ist lediglich das Europa einer kleinen intellektuellen Elite. Der Autor verkennt die Bedeutung der Religion für das Individuum. Es geht nämlich nicht um die Frage, wie tolerant ist der Islam, um Teil von Europa sein zu können, sondern: Wie gläubig ist Europa, um dem Islam ein gleichwertiger Partner zu sein? Viele Türken, mit denen ich gesprochen habe, blicken mit Unverständnis auf die Deutschen, die nichts übrig haben für ihre Heilige Schrift und deren Glauben leicht als oberflächliches, ererbtes Konstrukt zu durchschauen ist.

Marco Metz, Bonn