Die Tatsache, dass der Wald - oberirdisch - heute schneller wächst, als dies nach den vor langer Zeit aufgestellten Ertragstafeln zu erwarten wäre, ist seit zwei Jahrzehnten in der Forstwissenschaft unstrittig. Gleichfalls akzeptiert ist auch die Theorie, dass dies mit den immer noch nicht reduzierten Stickstoffeinträgen ursächlich zusammenhängt.

Dies gilt allerdings nur, wenn man ausschließlich die oberirdische Hälfte des Waldes betrachtet. Die meisten Untersuchungen, auch die zitierte EFI-Untersuchung, berücksichtigen den unterirdischen Teil nicht. Dies ist jedoch nicht zulässig. Sehr aufwändige Studien - zum Beispiel in Hessen - haben nämlich gezeigt, dass die Bäume unter dem Einfluss der hohen Stickstoffeinträge ihre Wachstumsstrategie umstellen: Es werden, je nachdem wie viel Stickstoff schon im Boden gespeichert ist, mehr oberirdische Biomasse und weniger Wurzeln ausgebildet. Somit findet in Stickstoff-beeinflussten Wäldern kein deutlich schnelleres Wachstum statt.

Dieses schnelle oberirdische Wachstum zulasten der Wurzeln verringert die Stabilität unserer Wälder ganz erheblich.

Das Monitoring von Nadel- und Blattverlusten ist inzwischen eine in ganz Europa akzeptierte Methode, den Gesundheitszustand der Wälder zu erfassen. Im Verlauf von 350 Millionen Jahren Evolution sind die Bäume darauf selektiert worden, dass sie die Konkurrenz mit den Mitbewerbern um das Sonnenlicht nur dann bestehen können, wenn sie schnell und aggressiv möglichst große und voll belaubte Kronen ausbilden. Wenn ein Baum dies nicht mehr zustande bringt, ist das, wie Fieber beim Menschen, ein Zeichen für seine physiologische Schädigung. Die Gründe dafür können, wie beim fiebergeplagten Menschen auch, nur durch ergänzende Untersuchungen ermittelt werden.

Prof. Aloys Hüttermann Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökosysteme Universität Göttingen

In einer thüringischen Forstausstellung (Paulinzella 1990) las ich den Bericht des Oberjägermeisters von Beulwitz aus dem Jahre 1786: "Das in diesem Forste bestandene Holz besteht durchgängig in melierten Hölzern, als Tannen, Kühnbäumen und Fichten. Die Fichten machen weit den stärksten Theil aus, es ist aber wohl nicht eine darunter befindlich, von der man sagen könnte, sie sey ganz gesund ... Ferner ergibt sich, daß aus den Schlägen und aus dem gegenwärtigen Nachwuchse und Anfluge, deren Flächen-Inhalt ich mir nicht bestimmen getraue, nie ein Baumstamm, noch weniger ein Werckbaum zu erwarten stehe ..."

Damals gab es weder Autos noch Ölheizungen!