Das Rezept für gescheiterte Großprojekte ist im Prinzip recht simpel. Man nehme: eine Geschäftsidee, die mindestens 1000 Arbeitsplätze bringt. Man platziere dieses Projekt in einen Ort, in dem es viele Arbeitslose gibt.

Kündige hochkarätige Geldgeber an, finde einen Landespolitiker, der das Projekt frühzeitig zur "Chefsache" erklärt und damit die Verantwortung trägt.

Hernach kann der sich als Held der Region feiern lassen und später die Koffer packen, wenn es schief geht. Zuvor läuft aber noch das Schwarzer-Peter-Spiel.

Der Politiker sitzt auf seinen Zusagen, will sie - aus Angst vor den enttäuschten Hoffnungen - einhalten. Mit Fördergeldern, versteht sich. Denn die Sache muss gelingen, um jeden Preis.

In Brandenburg, so scheint es, soll sich das nun ändern. Nach mehr als 600 Millionen Euro Steuergeldern für "Leuchtturmprojekte" wie Cargo-Lifter oder Lausitzring, die eigentlich eine Ausstrahlung auf die gesamte Region haben sollten und doch nur kurz aufblinkten, will man künftig schlauer agieren. Die Abgeordneten im Landesparlament versicherten sich das jedenfalls an einem kalten Sitzungstag im Dezember: Man müsse künftig dreimal mehr überlegen, ob der erste Schritt zur Unterstützung gemacht werde, sagt Heiko Müller von der SPD: "Die Erfahrung zeigt, dass ein Umsteuern zu einem späteren Zeitpunkt annähernd unmöglich wird." Sein CDU-Kollege Christian Ehler pflichtet ihm bei: "Je größer die Hoffnung, je exotischer die internationalen Partner, je klangvoller die internationalen Konkurrenten, desto nüchterner und seriöser muss der Umgang mit Zahlen sein." - "Sehr richtig", so der Beifall aus den Reihen der Opposition. Die Zuschauer hinten im Sitzungssaal verziehen zweifelnd die Gesichter - solche Sätze hören sie nicht zum ersten Mal.

In der aktuellen Stunde im Landtag ging es weder um den insolventen Cargo-Lifter noch um den Lausitzring. Es ging um ein Projekt, das noch immer läuft: eine Chipfabrik in Frankfurt/Oder. Die größte Investition in den neuen Bundesländern, brüstet man sich unisono. 1,3 Milliarden Dollar sollen in den Bau einer Fabrik für Mikrochips fließen, die im dortigen Institut für Halbleiterphysik (IHP) entwickelt wurden. Da sie besonders stromsparend sind, könnten sie eines Tages in mobilen Telefonen und Computern eingesetzt werden und deren Akkus entlasten.

Durch den Verkauf von Lizenzen für diesen Chip hätte das Institut unter Chef Abbas Ourmazd Millionen verdienen können. Doch der iranischamerikanische Wissenschaftler wollte mehr. Seine Vision: Der Mehrwert aus der Produktion des Chips soll nicht in Asien oder Amerika verdient werden, sondern in der Region bleiben. Für die Menschen vor Ort sei mehr drin als ein paar Millionen Euro. Innerhalb von zehn Jahren könnte Frankfurt zu den "wichtigsten Hochtechnologie-Standorten der Welt" zählen.