Elsa sieht Kühe. Und das nicht nur, weil sie gerade bekifft, sondern auch obendrein verliebt ist und unter kaum erträglichem Fernweh leidet. Die Vierbeiner stehen plötzlich auf der Straße. Oder tauchen zwischen zwei Wimpernschlägen auf einer Wiese am Rande von Buenos Aires auf. Auf einem gammeligen Stück Grün, das sich die Stadt noch nicht einverleibt hat. Als gäbe es selbst an den unwirtlichsten Orten Schleichwege zu ganz anderen Reichen. "Es gibt keine Kühe mehr", sagt Walter, ein Realist, der Elsa liebt, "auch dieses Land gibt es nur, weil wir gerade darauf stehen."

In Ein Glückstag braucht es keine großspurigen Visionen, um sich an den Widersprüchen des Realen zu reiben. Schon Grundbedürfnisse stehen mit der Wirklichkeit auf Konfrontationskurs. Und so schickt Regisseurin Sandra Gugliotta ihre Protagonistin nicht in ein Märchen voller Versprechen, sondern durch ein heruntergewirtschaftetes Land, in dem nur halluzinierte Kühe davonkommen.

In den rauen, von 16 auf 35 Millimeter aufgeblasenen Bildern folgt der Film Elsa durch eine Stadt, in der die Banken kein Geld mehr auszahlen, Supermärkte geplündert werden und der Mittelstand auf die Barrikaden geht.

Eine Schicht, die Argentinien einst so stark machte, dass es zu den Aufsteigern Südamerikas zählte, ruft zum zivilen Ungehorsam auf, fordert das Ende der Regierung.

Elsa ist keine Aktivistin. Sie stolpert eher ahnungslos an der aufgebrachten Menge vorbei. Elsa ist eine Glücksritterin mit einer durch und durch privaten Mission. Dennoch bleibt die gesellschaftliche Realität keine Kulisse. Sie ist der Botenstoff für Elsas inneren Aufruhr. Die Hauptfigur unterfüttert ihrerseits das Szenarium aus Enttäuschung, Wut und Verzweiflung mit ihrer Geschichte, ihrem Chaos und ihrer Hartnäckigkeit.

Der Film beweist ein sicheres Gespür für jedes noch so kleine Scharnier, in dem dokumentarische Passagen in inszenierte umklappen können. So entwickelt er eine wunderbare Ambivalenz, in der Sachlichkeit und Emotionalität ständig die Plätze tauschen. Die Kamera begleitet, schwebt, federt ab. Das sorgt für eine Leichtigkeit, in der sich jedes dramaturgische Kalkül elegant verstecken kann.

Da setzt der Film in warmen, nahen Einstellungen Elsa bei ihrem Großvater ab und verbrüdert für einen Moment die höchst unterschiedlichen Fernziele der Generationen. Schwärmt Elsa von Italien, wo ihre große Liebe wohnt, zieht im Gesicht des alten Anarchisten bei Protestaktionen eine beinah vergessene Seligkeit auf. Denn er hofft, es seien die "großen, alten Ideen", die die Menschen jetzt auf die Straße treiben.