So etwas nennt sich Verkehrspolitik. Am Freitag beteuert der Bundeskanzler, für das Projekt Transrapid in Deutschland stünden 2,3 Milliarden Euro zur Verfügung, kein Cent mehr. Am Montag zaubert sein Verkehrsminister 250 Millionen Euro aus irgendeinem Topf und drückt sie der Düsseldorfer Landesregierung zusätzlich zu den bereits zugesicherten 1,75 Milliarden Euro in die Hand. Bayern, ebenfalls Kandidat für den Transrapid und bisher mit 550 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt bedacht, wird wohl ebenfalls einen Nachschlag bekommen. Auch wenn die Industrie erst noch ein paar Millionen dazulegen muss – das ist jetzt der Startschuss zum Bau des 76 Kilometer langen Metrorapid zwischen Düsseldorf und Dortmund und des Münchner Flughafen-Shuttle.

Freie Fahrt also für die Superbahn auf Stelzen – und für eine gewaltige Fehlinvestition. Jeder Fachmann wird bestätigen: Wo bereits ein dichtes Schienennetz besteht, ist die Magnetschwebebahn allenfalls ein hübsches Spielzeug. Aus gutem Grund wurde das Projekt Hamburg–Berlin aufgegeben: Die Kosten standen in keinem Verhältnis zum Zeitgewinn der Reisenden. Beim Metrorapid, der parallel zu Bahngeleisen gebaut werden soll, ist dieses Verhältnis noch krasser. Mag sein, dass ein schneller Zubringer zum Flughafen so attraktiv ist, dass die Passagiere jeden Preis zahlen. Auf der Ruhrstrecke aber wird sich der Metrorapid die Kunden mit der Bahn teilen müssen und kann gar nicht rentabel sein.

Verkehrspolitik ist offensichtlich, wenn man trotzdem baut. Die Industrie ist daran interessiert, weil sie ihre Technik nicht nur in China vorführen will. Die Landesfürsten denken an ihr Prestige, solange der Bund das Geld zuschießt. Aber die betroffenen Kommunen, die Bahn, die Pendler, die Steuerzahler, sie hätten mehr von einem modernen Nahverkehr auf Schienen. Doch dafür ist es wohl zu spät. Nicht einmal leere Kassen werden die rasende Fahrt in den Unsinn verhindern.