Mehr als zehn Jahre lang haben die Regierungen in der EU gerungen und taktiert. Wie sollten sie Kapitalflüchtlinge zu Steuerzahlern machen, ohne ihre Finanzzentren trockenzulegen und ohne die Banken in Zürich und Liechtenstein noch fetter werden zu lassen? Am Dienstag ist der Kompromiss geglückt. Klar, man einigte sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, die Vereinbarung packt das Thema Schwarzgeld nicht an und lässt einige Schlupflöcher offen. Aber: Nun gibt es für Otto Normalflüchtling keinen Grund mehr, sein ehrlich verdientes Geld in die Schweiz oder nach Luxemburg zu schleppen, um die Zinseinkünfte am deutschen Fiskus vorbei steuerfrei zu kassieren.

Warum? Weil die drei vehementesten Verfechter des heiligen Bankgeheimnisses, Luxemburg, Österreich und Belgien, zwar bis auf weiteres keine Kontrollmitteilungen schicken, aber künftig alle Zinseinkünfte von Ausländern einer Quellensteuer unterwerfen müssen. Die Steuer wird bis 2010 schrittweise auf 35 Prozent angehoben, damit sie höher ist als in den Heimatländern der Flüchtlinge. Das gilt auch für europäische Steueroasen wie die Schweiz und Andorra, die nicht zur EU gehören. Bekommt Deutschland nun die von Hans Eichel in Aussicht gestellte Abgeltungssteuer auf Zinseinkünfte in Höhe von 25 Prozent, dürften mehr Sparer ihr Geld zu Hause parken.

Nicht nur das wird den Bundesfinanzminister freuen. Er bekommt zusätzlich drei Viertel der Quellensteuereinnahmen, die Deutsche im Ausland berappen, wenn sie ihre Zinseinkünfte nicht dem Fiskus erklären. Ein paar Milliarden sollten drin sein.

Die Botschaft: Kapitalflucht wird nicht mehr hingenommen. Das mussten selbst Luxemburg und die Schweiz einsehen. Noch konnten sie ihr Bankgeheimnis retten. Doch der internationale Druck dürfte dafür sorgen, dass auch das Schwarzgeld dort nicht mehr sicher sein wird.