Es wird wieder ein schönes Gewimmel werden, eine Mischung aus Woodstock, Kirchentag, Wildbad Kreuth, aus Festival, Anti-Irakkriegs-Demo und Klausurtagung: Globalisierungskritiker aus aller Herren Länder treffen sich an diesem Wochenende im brasilianischen Porto Alegre. Zum dritten Mal findet das Weltsozialforum (WSF) statt, 2001 kamen 15000 Menschen, im vergangenen Jahr 60000. Nun werden 100000 erwartet, und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen.

Die wohl größte Neuerung ist aber, dass außer den "üblichen Verdächtigen", Entwicklungshelfern, Umweltschützern und Linksradikalen, auch die "Etablierten" zu dem Welttreffen anreisen – im Gegenzug werden Globalisierungskritiker selbst zu "Etablierten". Die International Labour Organisation der UN hält in Porto Alegre eine offizielle Anhörung zu den sozialen Folgen der Globalisierung ab. Der Vorsitzende der brasilianischen Sozialisten, Lula da Silva, der das WSF von Anfang an unterstützt hat, kommt in diesem Jahr als frisch gewählter Präsident.

Aus Deutschland wollte ver.di-Chef Frank Bsirske auf einem Podium über "Neue Allianzen gegen den Neoliberalismus" diskutieren – nur wegen der schwierigen Tarifverhandlungen bleibt er nun in Berlin. Das Entwicklungshilfeministerium schickt in diesem Jahr erstmals einen Beobachter. Die bundeseigene Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit lädt zu einer Podiumsdiskussion. Auch die parteinahen Stiftungen haben Porto Alegre entdeckt: Die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) veranstaltet sechs Seminare. Die Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne) zahlt für knapp 70 Vertreter weltweiter Partnerorganisationen die Reisekosten. Zum ersten Mal nimmt in diesem Jahr sogar ein Bundestagsabgeordneter der Bündnisgrünen teil – SPD und PDS sind schon länger dabei. Bisher war den geläuterten Straßenkämpfern von der Öko-Partei der Protest der Straße seltsam fremd, Joschka Fischer sah in der Bewegung lange bloß "abgestandenen Antikapitalismus". Damit soll es vorbei sein. Fraktionsneuling Thilo Hoppe will, "dass die Grünen die globalisierungskritische Bewegung ernst nehmen". Ganz diplomatisch verkneift er sich das Wort "endlich".