So gut kann der Koch nicht sein, wenn Sie das Bedürfnis haben, seine Speisen nachzuwürzen. Tatsächlich würden sich viele Spitzenköche wohl beleidigt fühlen. Warum sonst fehlen auf ihren Tischen Salzstreuer und Pfeffermühlen? Ich wäre oft dankbar, wenn ich die faden Speisen einiger Gourmet-Köche nachwürzen könnte. Früher, als die Menschen noch Stilgefühl hatten, war es nicht unüblich, dass ein Feinschmecker eine Muskatreibe oder eine kleine Pfeffermühle aus der Tasche zog. Notfalls gibt es die Möglichkeit, den Kellner mit der Bitte um einen Salzstreuer in die Küche zu schicken. Diesen Notgriff habe ich jedoch noch nie angewendet. Es könnte ja ein Choleriker am Herd stehen, der mir den nächsten Gang mutwillig versalzt oder sonstwie Rache übt. Dort, wo Gewürze auf den Tischen stehen, haben Sie nichts zu befürchten. Achten Sie aber darauf, dass Sie nicht zum Salzstreuer greifen, bevor Sie das Essen probiert haben. Damit machten Sie sich lächerlich.

Die Frage stellte Dieter Baumelt aus Cloppenburg. Haben Sie auch Fragen? Schreiben Sie an Wolfram Siebeck, DIE ZEIT, 20079 Hamburg, oder an siebeck@zeit.de