die zeit: Frau Vollmer, die rot-grüne Bundesregierung hat ihre Ablehnung eines Irak-Krieges immer wieder erklärt. Muss sie, für den Fall, dass es zu einer zweiten Entscheidung im UN-Sicherheitsrat kommt, gegen den Krieg stimmen?

Antje Vollmer: Es ist immer wieder kritisch gegen uns eingewandt worden, wir hätten die Antikriegshaltung zur wahlentscheidenden Frage gemacht. Wenn das so ist, dann war die Bundestagswahl faktisch ein Plebiszit gegen die Kriegsbeteiligung. Ich bin sicher, dass ähnliche "Plebiszite" in Europa oder sogar weltweit gleiche Klarheiten brächten. Die Völker sind gegen diesen Krieg. Wir haben uns entschieden, dass wir den Spagat zwischen einem innenpolitischen Nein zum Krieg und einem internationalen Ja im Sicherheitsrat nicht aushalten würden und der Sache nach auch nicht aushalten wollen.

zeit: Die Stimmung hierzulande ist zwar kritisch gegenüber einem Krieg. Doch auch die Sorge, die Bundesrepublik könne sich international isolieren, ist weit verbreitet.

Vollmer: Als einziges westliches Land zu erklären, dass wir uns nicht daran beteiligen, setzt uns natürlich unter extremsten Druck. Aber entgegen der skeptischen Mediendebatte hier im Lande scheint mir doch international der Respekt vor der Haltung der deutschen Regierung und des Kanzlers zu wachsen. Je länger die Debatte läuft, je weniger die Funde der Inspektoren als Kriegsbegründung taugen, je deutlicher die USA auf den Krieg hindrängen, ohne dass ein Konzept zu erkennen ist für die Zeit danach, umso mehr Stimmen sagen: Gut, dass einer der Freunde aus dem Bündnis die kriegskritische Position formuliert. Würde der Bundeskanzler heute seine Position wechseln, würde er Respekt verspielen – beim amerikanischen Präsidenten wohl zuerst.

zeit: Wenn die Regierung konsequent bleibt, steht sie unter dem Verdacht des Isolationismus, wenn sie laviert, gilt sie schnell als opportunistisch. Keine einfache Lage.

Vollmer: Manchmal habe ich den Eindruck, was die Amerikaner an Patriotismus zu viel haben, haben wir zu wenig. In den USA stellt sich die Opposition beunruhigend kritiklos hinter den Präsidenten, hierzulande löst die klare Ankündigung, dass wir uns nicht beteiligen werden, nur die Frage aus: Wann werdet ihr umfallen? Aber auch die Union wird den Spagat nicht aushalten zwischen einem Ja im Sicherheitsrat und einem innenpolitischen Nein zum Krieg. Da muss sie schon die Frage beantworten, ob und wann deutsche Soldaten in Bagdad einmarschieren sollen.

zeit: Die USA sehen in der deutschen Haltung zum Irak-Krieg eine klare Abkehr von der Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus.