Einen kurzen Blick auf die Börsenkurse und das Playmate des Monats werfen, die Telefonrechnung online überweisen, schnell noch im Internet den Wochenendtrip nach London buchen und das alles noch vor der Mittagspause. Wenn das im Büro nicht mehr funktioniert, sind höchstwahrscheinlich die Webwasher schuld.

Die Spielverderber sitzen auf dem Industrieparkhügel in Paderborn. Dort geht es auf den ersten Blick recht locker zu: die Auszubildenden duzen ihre Chefs, der Spielzeugroboter eines Kollegen rattert wild blinkend über den Fußboden, und an den Wänden haben junge Künstler ihre Malereien ausgestellt. Doch der Eindruck täuscht. Horst Joepen, der 46-jährige Vorstandschef und einer der drei Gründer der webwasher.com AG gibt sich betont konservativ. "Wir dürfen auf gar keinen Fall unsere gesunde Wachstumsfahrt verlieren", sagt er und schiebt die randlose Brille auf seiner Nase zurecht.

An Börsen-Hype und New-Economy-Gehabe habe er noch nie geglaubt, sagt Joepen. Und das, obwohl die webwasher.com AG 1999 gegründet wurde. Dem Jahr!

Im Internet-Boomjahr tat sich der promovierte Dateningenieur Joepen, ein leitender Mitarbeiter der Siemens AG, mit seinen Arbeitskollegen Roland Cuny, 38, und Sören Müller, 25, zusammen. Noch bei Siemens entstand die Idee für den Webwasher-Client, eine Software, die lästige Werbung aus dem Internet filtert. Für gute Ideen, die langfristig nicht zum Kerngeschäft gezählt werden, aber zur Ausgründung taugen, hat der Münchner Elektroriese spezielle Hilfestellungen parat. So half der ehemalige Arbeitgeber mithilfe der Siemens Venture Capital GmbH der webwasher.com AG auf die Beine und hält gemeinsam mit zwei weiteren Risikokapitalgebern, der Invision AG und den TechVenture Partners, noch 85 Prozent der Unternehmensanteile, 10 Prozent halten die drei Gründer. Die restlichen 5 Prozent liegen bei Management und Mitarbeitern von webwasher.

Wenn Joepen über seine Geschäftszahlen redet, dann klingt das, als hätte er Riesenrespekt vor deren rasanter Entwicklung: "300 Prozent Umsatzsteigerung allein in den letzten zwölf Monaten… Jetzt sind wir bei acht Millionen Euro… Wir bewegen ein riesiges Rad, da musst du immer überprüfen: Habe ich noch alles im Blick, oder lauert da irgendwo eine tickende Bombe?"

Der Webwasher-Chef und seine Kollegen arbeiten daran, das Internet sauber, sicher und schneller zu machen. Zuerst war da die Idee, eine Software zu entwickeln, die Online-Werbung erkennen und aus Internet-Seiten herausfiltern kann. Sie wird mittlerweile von fünf Millionen Privatanwendern genutzt und ist damit der beliebteste Werbeblocker im Land – kostenlos aus dem Netz zu ziehen. Geld verdienen die Paderborner, weil sie Unternehmen helfen, ihre Computernetzwerke zu sichern. Mithilfe von Webwasher-Software lassen sich Datenströme kontrollieren und Viren, Würmer und anderer Internet-Müll bekämpfen. Und: Beschäftigte werden daran gehindert, während der Arbeitszeit zu viel privat im Netz unterwegs zu sein. Content Security Management, heißt das, was Webwasher macht, auf Neudeutsch.

Aus dem dreiköpfigen Gründerteam ist mittlerweile ein Unternehmen mit 93 Arbeitsplätzen geworden, darunter allerdings 24 freie Mitarbeiter. Und laut Plan sollen bis Jahresende 30 weitere Jobs geschaffen werden.

Der IT-Sicherheitsbranche geht es nämlich gut wie nie. "Besonders der 11. September 2001 hat die Firmen sensibilisiert", sagt Joepen. Gegen den allgemeinen Trend wächst die Branche und beweist: In wirtschaftlich schlechten Zeiten steigt das Sicherheitsbedürfnis, bei manchen hämmern gar Szenarien vom Cyber-War in den Köpfen. Da mittlerweile jeder dritte Arbeitsplatz in Europa an das World Wide Web angeschlossen ist, wird Netzwerksicherheit von den Unternehmen – anders als noch vor ein paar Jahren – nicht mehr als Kostenfaktor, sondern als sinnvolle Investition verstanden. "Die Sicherung ihrer Systeme ist den Unternehmen eine Menge wert", bestätigt auch der Webwasher-Chef.