In ihrem 40. Jahr steht die Fußballbundesliga vor der spannendsten Rückrunde ihrer Geschichte. Wer am Ende der Spielzeit deutscher Meister wird, ist dabei gar nicht so wichtig. Für die Vereine geht es nicht um Sieg oder Niederlage, es geht um Sein oder Nichtsein. Es geht um Fernsehrechte, es geht, mal wieder, vor allem um Geld, um sehr viel Geld. Die Frage steht im Raum und wird lautstark diskutiert: Was ist der Fußball wert?

Uli Hoeneß, der Bayern-Manager, hat seine Antwort gegeben: "Das Produkt Bundesliga ist so viel wert wie nie zuvor. Wir haben 2006 in Deutschland eine WM. In den nächsten drei Jahren wird in diesem Land im Fußball die Post abgehen wie nie zuvor." Da wird keiner widersprechen, auch nicht jene, die für die Ware Fußball, in diesem Fall die Bundesliga, in Zukunft nicht einmal jenen Preis zahlen wollen, den sie bisher entrichtet haben. Der frühere Kirch-Sender Sat.1, der die Rechte an der Erstausstrahlung der Spiele bis zum Ende der Saison für 80 Millionen Euro hält, will 30 Millionen weniger bezahlen. Nur so könne die Ware rentabel umgesetzt werden. Die ARD, die durch den Erwerb von Rechten an den Spielen der WM 2006 ihr grundsätzliches Interesse an der Ware Fußball dokumentiert hat, winkt vorläufig bei der Bundesliga ab: viel zu teuer. Hoeneß schließlich findet, 120 bis 150 Millionen seien der angemessene Preis.

Ein Produkt, viele Preise, keine Bieter, ein toter Markt? Mitnichten. Die Wirrnisse im Zuge des Kirchreichverfalls sorgen dafür, dass die Ware Bundesliga von der Ware Fußballweltmeisterschaft nicht zu trennen ist. Die Schweizer Firma Infront um den adidas-Sanierer Dreyfuß, deren Aushängeschild der ARD-Kommentator und Exmittelfeldstratege Günter Netzer ist, wird bald beides besitzen. Die ARD würde gern, gemeinsam mit dem ZDF, alle 64 WM-Spiele live übertragen und sich nicht, wie beim vergangenen Turnier, mit einer Auswahl begnügen müssen. Was liegt da näher, als aus Bundesliga und WM ein Paket zu schnüren. Interessanterweise hat Hoeneß auch dies angeregt – und damit indirekt zugegeben, dass die Ware Bundesliga nur noch als Rucksack auf dem geschundenen Rücken der Nationalelf verkäuflich ist.

Vieles deutet also darauf hin, dass die Bundesligarechte schnell von der privatwirtschaftlichen zur nationalen Sache werden. Fest steht, dass, wer die Rechte für Bundesliga und WM erwirbt, allenfalls ein überschaubares Risiko trägt. Klar ist allerdings auch, dass für die Liga allein der von den Rechtehändlern gewünschte Preis im Augenblick nicht zu erzielen ist.

Aus alledem ergibt sich ein Lösungswort aus drei Buchstaben: A, R und D. Der Weg zu dieser Lösung könnte wie folgt aussehen: Zunächst könnte die ARD in aller Ruhe beobachten, wie sich die Vertreter der Liga und der bisherigen privaten Rechteinhaber gegenseitig zermürben. Dann könnte man warten, bis Dreyfuß mit der Gründung eines eigenen (Pay-TV-)Senders droht, daraufhin die Preise purzeln und sich schließlich der Kanzler der Sache annimmt. Zum Schluss würde die ARD sich dann bitten lassen, das Volksgut Fußball für den kostenlosen Fernsehgebrauch zu retten. Das wäre strategisch ziemlich schlau und somit gar nicht typisch für eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Aber vielleicht eine Überlegung wert.