In der Höffe-Rezension von Thomas Assheuer wird behauptet, der Nationale Ethikrat wolle sich die ethischen Fragen "vom Hals schaffen". Als Beleg führt der Autor eine Aussage an, die angeblich von "einigen Mitgliedern" des Ethikrates getan worden sein soll. Es ist aber bekannt, dass die Bemerkung über die "akademischen Quisquilien" der PID-Debatte nur von einem einzigen Mitglied stammt, nämlich von mir. Kein anderes Mitglied hat sich diese Ansicht zu Eigen gemacht. Wenn Thomas Assheuer es nun so darstellt, als handele es sich sogar um eine mehrheitliche Auffassung des Ethikrates, liegt eine Irreführung vor. Meine Äußerung war eine für jedermann erkennbare Kritik an der Arbeit des Gremiums.

Abwegig ist ferner, die kritische Aussage auf die Ethik zu beziehen. Die Kritik war vielmehr gegen die Praxis einer Politik gerichtet, die sich mit großem Aufwand theoretische Unterscheidungen erarbeiten lässt, um sich praktisch nicht darum zu kümmern. So geschieht es in der aufwändig als "rechtswidrig" erwiesenen und dann doch "straffrei" bleibenden Abtreibungspraxis, und so kommt es auch bei der PID. Man wird vielfältige Bedenken erheben und weiß doch nur zu gut, dass von einer Frau nicht verlangt werden kann, sich einen Embryo erst einpflanzen zu lassen, um ihn nach Monaten der Schwangerschaft dann doch abzutreiben. Warum sollte vor der Implantation etwas verboten sein, was danach, im dritten, fünften, ja noch im siebten Monat, erlaubt ist? Die Spätabtreibung, die in Wahrheit eine Frühgeburt mit letalem Ausgang ist, kann sogar gerichtlich erzwungen werden.

Prof. Volker Gerhardt Berlin Mitglied des Nationalen Ethikrats