HONIGMOND: Zu den typischen und gottlob zahlreichen Preußenbistros gehört dieses schummerige Kleinrestaurant an der Grenze zum Wedding. Es geht schlicht zu in den matt beleuchteten Räumen. Ein einziger Garderobenständer, eine alte Theke - mehr wird für die Schönheit des vorderen Hauptraumes nicht getan. Tischdecken fehlen ebenso wie andere Insignien der Bürgerlichkeit.

Auch die Küche bemüht sich um ein unkonventionelles Profil. Das gelingt ihr vorzüglich. Königsberger Klopse gehören zu den Hauptgerichten, und sie sind zu grob, um delikat zu sein. Das ist überhaupt der Einwand gegenüber einer Küche, die alles in allem ein lobenswertes Profil zeigt. Beispielsweise wegen des Wallers oder wegen der riesigen, besahnten Maultaschen - nein, die nicht, die sind zu klobig -, gewiss aber wegen der leckeren (und auch irgendwie klobigen) Süßspeisen. Immerhin servieren sie hier eine Bohnenkartoffelsuppe von vorzüglicher Leichtigkeit, und die Weinpreise sind so passabel, dass man die mediokre Herkunft vieler Flaschen nicht krumm nimmt. Glücklich die Stadt, die von dieser Sorte Kleinrestaurants so viele vorweisen kann bedauernswert der Neurastheniker, der sich nichts Besseres leisten kann.

Honigmond, Borsigstraße 28, Mitte, Telefon 030/28 44 55 12, Mo bis Fr von 12 bis 1 Uhr, Sa, So und feiertags von 9 bis 1 Uhr geöffnet