Mittelalterliche Türme ragen über quadratischen Kreuzgängen empor und schauen auf manikürte Rasenflächen und verwunschene Gärten hinab: An Oxfords Charme hat sich wenig verändert - so wenig, dass die pittoreske Eliteschmiede inzwischen an Bedeutung zu verlieren droht. Vor allem in der Forschung musste Oxford in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Lorbeeren an den Erzrivalen Cambridge abgeben. Das liegt nicht nur daran, dass Cambridge traditionell mehr Gewicht auf die Naturwissenschaften legt. Obendrein haben sich die Maßstäbe für die Vergabe staatlicher Forschungsgelder seit dem Antritt der Labour-Regierung geändert. Nicht Forschungsstand oder -ziel stehen mehr im Fordergrund, stattdessen zählt das Prinzip der Egalität. "Der Kampf um Forschungsgelder ist härter geworden", sagt Peter Teriete, Forschungsstipendiat am Zentrum für Biochemie in Oxford. "Mehr und mehr Geld geht jetzt an Universitäten mit kleineren Forschungseinrichtungen. Uns fehlt das Geld, um wirklich weitreichende Forschung voranzutreiben."

Doch nicht nur Oxford, das gesamte britische Universitätssystem sorgt sich um die Zukunft. Ähnlich wie ihre deutschen Kollegen klagen auch britische Bildungspolitiker über immer mehr Studenten, immer weniger Geld und immer niedrigere Standards. Auf der Rangliste der Forschernationen ist Großbritannien weit nach hinten gefallen. In den siebziger Jahren brachten britische Universitäten nicht weniger als 13 Nobelpreisträger in den Bereichen Chemie, Physik, Physiologie und Medizin hervor. In den neunziger Jahren waren es noch zwei. Und die letzten fünf britischen Forscher, die den Wissenschafts-Oskar aus Stockholm verliehen bekamen, waren nicht an einer Universität beschäftigt, sondern an staatlichen Forschungseinrichtungen.

6000 Euro pro Studienjahr

Auch an der Bezahlung hapert es. Ein Professor an einer britischen Universität kommt über ein Grundgehalt von 35 000 Pfund im Jahr kaum hinaus.

Gleichzeitig hat sich die Arbeitslast der Dozenten durch die steigenden Studentenzahlen in den vergangenen 15 Jahren fast verdoppelt. So mancher lehrende Akademiker fühlt sich unterbezahlt und gering geschätzt. Die Folge ist der viel beschworene brain drain. "Immer mehr junge und fähige Forscher gehen schon vor ihrer Dissertation ins Ausland, um sich dort einen guten und vor allem lukrativen Arbeitsplatz zu sichern", klagt Sir Derek Roberts, Dekan am University College London. "Abgesehen davon, dass sie dort besser bezahlt werden, wird ihre Leistung für die Gesellschaft viel höher eingeschätzt."

Das soll sich nun ändern. Vergangene Woche legte die Blair-Regierung einen Gesetzentwurf vor, den Bildungsminister Charles Clarke als "radikal" bezeichnete. Damit solle die Zukunft britischer Universitäten als "Zentren akademischer Exzellenz" gesichert werden. Das dazu nötige Geld soll von den Studenten selbst kommen. Zusätzlich zu den vor wenigen Jahren eingeführten Studiengebühren von 1000 Pfund (1500 Euro) pro Jahr sollen Universitäten ab 2006 von jedem Studenten weitere 3000 Pfund pro Jahr einfordern dürfen. Dem Vorbild Australien folgend, ist die Rückzahlung erst dann fällig, wenn der Absolvent einen Beruf ergreift, der ihm ein Jahreseinkommen von mindestens 15 000 Pfund beschert.

Auf diese Weise sollen den Universitäten künftig rund 2,5 Milliarden Pfund mehr zur Verfügung stehen. Zugleich will die Regierung den Forschungsetat auf 1,25 Milliarden Pfund anheben und damit das Unmögliche möglich machen: Auf der einen Seite sollen noch mehr junge Menschen zu einem Universitätsabschluss kommen (Ziel: bis zum Jahr 2010 50 Prozent aller 18- bis 30-Jährigen)