Kann man durch weniger Kündigungsschutz mehr Arbeit schaffen? Für IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ist das "ein Griff in die Klamottenkiste der Vorschläge, die sich längst als wirkungslos erwiesen haben". Schon 1996 befreite die Regierung Kohl alle Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten vom Kündigungsschutz. Den Durchbruch im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit brachte das nicht, und nur zwei Jahre später kehrte die rot-grüne Koalition zur ursprünglichen Regelung zurück, nach der lediglich Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern von diesem Schutzrecht ausgenommen waren.

Tatsächlich zeigen empirische Studien: Wo der Kündigungsschutz gelockert wird, sinkt nicht gleich die Arbeitslosigkeit. Ein enger Zusammenhang zwischen den beiden Variablen lässt sich nicht belegen. Allerdings liegt das nach Auffassung des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vor allem an methodischen Problemen. Einerseits ändern sich die Faktoren, die den Kündigungsschutz bestimmen – wie etwa vorgeschriebene Fristen, Abfindungsregeln oder die Rechtsprechung –, meist nur langsam in schwer messbaren Trippelschritten. Zeitreihenanalysen innerhalb eines Landes sind deshalb relativ unergiebig. Vergleicht man jedoch verschiedene Länder (mit einem ähnlichen Industrialisierungsgrad), steht nur eine begrenzte Stichprobe zur Verfügung, und es müssen andere Unterschiede berücksichtigt werden, die Einfluss auf die Arbeitslosigkeit haben könnten.

Interessanterweise kommen viele Untersuchungen aber zum Ergebnis, dass der Kündigungsschutz die Struktur der Arbeitslosigkeit beeinflusst. So verlieren laut einer Studie der OECD von 1999 in Ländern mit hohen Entlassungshürden zwar weniger Menschen im Laufe eines Jahres ihren Job, doch ihre Arbeitslosigkeit dauert umso länger. Einige Indizien weisen auch darauf hin, dass sich dies besonders zum Nachteil von Frauen und jungen Berufstätigen auswirkt. Und schließlich zeigen Untersuchungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, dass auch das kurze Experiment von 1996 in Deutschland nicht gänzlich folgenlos blieb: Betriebe, die damals vom Kündigungsschutz ausgenommen wurden, stellten daraufhin mehr Mitarbeiter unbefristet ein als zuvor. Zumindest der Trend zu Arbeitsnomaden, die von einer befristeten Stelle zur nächsten ziehen müssen, wurde also abgeschwächt.

Experten am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg folgern aus diesen Untersuchungen: Wer allein Kündigungsschranken niederreißt, darf keine beschäftigungspolitischen Wunder erwarten. Aber: Eine solche Liberalisierung schaffe die Voraussetzungen dafür, dass eine kombinierte Therapie aus niedrigen Lohnnebenkosten, moderaten Tarifabschlüssen und Arbeitsanreizen für Sozialhilfeempfänger gegen die Volksseuche Arbeitslosigkeit wirkt.