Im Studium hatte die Hülsmanns niemand gewarnt. Heute müssen sie sich schon einmal von Kollegen sagen lassen, sie hätten ja auch andere Fächer belegen können. Englisch hätte doch gereicht. Warum musste es daneben auch noch Französisch sein? Zwei Sprachen, zweimal intensive Unterrichtsvorbereitungen, zweimal jedes Halbjahr Hunderte Klassenarbeiten durchsehen. "Und dann ist man oft noch Klassenlehrer", sagt Ulrike Hülsmann.

"Wir unterrichten schließlich die meisten Stunden in einer Klasse."

Ulrike und Heiner Hülsmann, Lehrer an zwei verschiedenen Duisburger Gymnasien, bereuen ihre Studienwahl auch nach 30 Jahren nicht, sagen sie.

Groll und Neid auf Kollegen, die wesentlich weniger arbeiten müssen, sind jedoch von Jahr zu Jahr gestiegen. "Während wir bis zum späten Abend Hefte korrigieren, haben einige Kollegen bereits am Nachmittag frei", klagt Heiner Hülsmann.

Denn wer Sport oder Kunst unterrichtet, muss selten nach der Schule noch am Schreibtisch sitzen. Auch in Erdkunde oder Geschichte fallen weniger aufwändige Klausuren an als in Korrekturfächern wie Englisch oder Deutsch.

"Völlig willkürlich" sei die Arbeit in den deutschen Schulen verteilt, klagt Hülsmann, weil allen Lehrern einer Schulform dieselbe Zahl Unterrichtsstunden auferlegt würden - egal, welches Fach sie unterrichteten.

Irgendwann hatte der 52-Jährige "die Nase voll" und machte, was man in Deutschland in so einem Fall gern macht: einen Verein gründen und klagen. In drei Prozessen will die Vereinigung der Korrekturfachlehrer in Nordrhein-Westfalen das Düsseldorfer Schulministerium zwingen, die Zahl ihrer Pflichtstunden zu verringern. Zwei Verfahren haben die Kläger bereits verloren. Die Begründung der Richter: Die Lehrerarbeit nach Fächern und Aufgaben individuell zu berechnen sei zu kompliziert.