In seinem Leserbrief vom 23. Januar behauptet Klaus Briegleb, die Rezensentin seines Buches Mißachtung und Tabu habe eine Aussage Hans Werner Richters erfunden und dem Autor als Zitat untergeschoben: "Weder gibt es die Formulierung ,moralisches, geistiges und literarisches Massaker', noch habe ich eine solche Formulierung zitiert oder gebraucht." Wahr ist: In dem besprochenen Text zitiert Briegleb aus Richters Totenrede auf Alfred Neumann vom 3. Oktober 1952: "(...) er begriff, was viele unserer Kritiker hierzulande nicht begreifen, wie schwer der neue Auftakt sein muss nach all diesen Jahren eines moralischen, geistigen und literarischen Massakers" (Seite 150). Das Zitat ist eingebettet in eine Interpretation, die Richter Verdrängung der "Kriegseigentlichkeit der Massaker" (ebenda) und Verschweigen der Shoah nachsagt. Die Rezension artikuliert keine Zweifel an der These vom Schweigen der Gruppe 47, die der Autor vertritt, sondern an der Redlichkeit seiner Argumentation.

Dorothea Dieckmann Hamburg