Der Name "Helen Leuninger" in Gebärdensprache? Daniela Happ, die wissenschaftliche Mitarbeiterin, wirft ihrer Chefin einen schelmischen Blick zu. Sie bringt den rechten Arm in Stellung und macht die Gebärde vor: Mittel- und Zeigefinger ausgestreckt, den Handrücken oben, ein waagrechtes "Victory".

Dann folgt eine energische Drehung, nun ist die Handfläche oben.

"Veränderung" heißt das.

"Veränderung ist mein Ehrenname hier", sagt die Professorin am Institut für Deutsche Sprache und Literatur in Frankfurt. Helen Leuninger hat diesen Namen von den Gehörlosen verliehen bekommen. Doch das große Wort "Ehrenname" schwächt sie gleich wieder ab. "Wer etwas länger mit Gehörlosen zu tun hat, bekommt automatisch so einen Namen", sagt sie. Gehörlose würden ihr Gegenüber nämlich ganz genau anschauen. Da habe man schnell so ein Ehrenattribut weg.

Aber Daniela Happ schaut skeptisch. Sie zieht den Kopf zwischen die Schultern

ihr Blick will sagen: Nun mal nicht so bescheiden, Frau Professorin. Immerhin hat Leuninger große Veränderungen bewirkt, in einer Szene, der 80 000 Menschen angehören, die von Geburt an gehörlos sind, und vermutlich zwei Millionen Spätertaubte, die im Lauf ihrer Kindheit oder später das Gehör verloren haben.

Helen Leuninger ist eine der wenigen Hörenden, die sich in die stumme Welt dieser Menschen vorwagt, die dort akzeptiert wird und als Übersetzerin in die laute Welt fungiert. Das Interesse der Linguistin ist dabei nicht nur beruflicher Natur: Die engagierte Wissenschaftlerin - "Ohne Engagement ist die Universität doch langweilig" - kämpft seit zehn Jahren für die Gebärdensprache. Sie soll als eigenständiges Kommunikationsmittel - und nicht nur als Ersatzsprache - anerkannt werden. Als sich Mitte der neunziger Jahre die Grünen für diese Forderung stark machten, startete die Professorin eine Unterschriftenaktion an deutschen Universitäten, verfasste Gutachten und war bei Landtagsanhörungen dabei. Als erstes Bundesland erkannte Hessen 1998 die Gebärdensprache offiziell an - alle Fraktionen stimmten zu. "Der Kampf hat sich gelohnt", sagt Leuninger, "ist aber noch lange nicht zu Ende."