Hinfahrt von Niederdollendorf nach Mainz am 31.12.2002: Einen Fahrkartenschalter gibt es hier nicht. Dafür einen Automaten, der noch nichts vom neuen Preissystem mitbekommen hat. Ich löse eine Karte. Der Fahrpreis siedelt sich zwischen dem Internetergebnis und einer telefonischen Auskunft vom Vortag an. In diesen Tagen gibt es zwei Arten von Kontrolleuren: Die einen machen sich unsichtbar, um den vielen falschen Tickets und der Aufklärung Ahnungsloser durch Ahnungslose zu entgehen. Mein Kontrolleur gehört zu der zweiten Sorte. Das sind die weniger Ahnungslosen, vermute ich. Ich zeige ihm mein für 10,50 € erstandenes Ticket. Ein betrübtes Lächeln spielt um seine Lippen als er mir den im Internet recherchierten Preis von 12,50 € bestätigt. Auf ängstliches Fragen hin kaner mich beruhigen: Er wird unter den gegebenen Umständen ausnahmsweise nicht den Neukauf eines Tickets und die Stornierung des alten zum Preis von 46 € von mir verlangen. Sprach's, entwertete das falsche Ticket und verschwand.

Der IC in Koblenz hat 25 Minuten Verspätung. Dafür berechne ich ihnen 2 €, fährt es mir durch den Kopf. Nach 35 Minuten Wartezeit in eisiger Kälte am Bahnhof (nein, mein RE hatte leider keine Verspätung!) fährt er ein. Der Kontrolleur gehört zu der ersten Sorte und lässt sich nicht blicken. Was gut für ihn ist! Entsteige mit 40 Minuten Verspätung und einer schriftlichen Bestätigung über selbige dem Zug in Mainz und bin gewillt, alles für eine bedauerliche Ausnahme zu halten.

Rückfahrt von Mainz nach Niederdollendorf am nächsten Tag: Überlege mir noch, ob es cleverer ist, nicht von einer Ausnahme auszugehen und gleich verspätet am Bahnhof zu erscheinen. Entscheide mich dagegen. Bin pünktlich und erlaube mir den Witz, eine freundliche Schalterbeamtin zu fragen, wie groß denn die Verspätung des IC von Mainz nach Koblenz sei. Die Antwort: Momentan ca. 25 Minuten - kein Witz! Auf mein offenes Lachen hin wirkt die freundliche Beamtin vorsichtshalber ein bisschen weniger freundlich. Habe keine Lust mehr, ein Ticket zu lösen, muss aber doch. In Koblenz verpasse ich den (pünktlichen!) RE nach Niederdollendorf und hole mir eine zweite schriftliche Bestätigung beim netten Beamten des Service Point, bei dem ich mich weiter nicht ausheule, weil er (O-Ton) "hier sowieso für alle und alles der Arsch ist." Strahle ihn an und schweige verständnisvoll. Gebe ihm in Auftrag, meine Eltern telefonisch von meiner Verspätung zu benachrichtigen und entschwinde Richtung Bahngleis. Komme pünktlich nach Angaben des Service-Point-Mitarbeiters in Nieder-dollendorf an, nur mein Vater will es nicht glauben und plant vorsichtshalber eine Verspätung von 10 Minuten ein. Die ich in der Kälte verbringe.