Meine Frau und ich fuhren im letzten Frühjahr von Essen nach Flensburg, um unseren Sohn mit seiner Familie zu besuchen. Wir fahren nicht oft mit der Bahn und waren um so mehr erstaunt, dass unser IC pünktlich auf die Minute einlief. Kurz hinter Dortmund stand plötzlich unsere älteste Tochter neben uns. Sie hatte uns in Essen gesehen und wollte uns jetzt kurz begrüßen. Da sie für eine Sitzung in Hamburg noch einige Akten studieren musste, ging sie bald wieder in ihrem Wagen Nr. 7.

Kurz hinter Osnabrück kam eine Durchsage: Ist ein Arzt an Bord? In Wagen 7 haben wir einen Notfall. - Wenig später eine zweite Durchsage: Wir müssen in Diepholz einen unplanmäßigen Halt einlegen, da eine kranke Person ins Krankenhaus gebracht werden muss.

In Diepholz fuhr der IC an den Hausbahnsteig, der am Gegengleis liegt. Dort wartete schon ein Klinomobil. Der Halt war nur kurz. Als wir weiterrollten, sahen wir, wie ein Frau noch auf dem Bahnsteig ärztlich versorgt wurde. Wir rollten längere Zeit auf dem Gegengleis. Zwischendurch kam uns ein RE Richtung Osnabrück auf „unserem“ Gleis entgegen .

Kurz hinter Bremen schreckte uns wieder eine Durchsage auf: Ist der Arzt noch an Bord? Er wird erneut in Wagen 7 gebraucht.

Unsere Tochter erzählte uns hinterher: Während des Aktenstudiums habe sie bemerkt, wie der vor ihr sitzende Mann plötzlich zusammengesackt sei und dann plötzlich wie bei einem epileptischen Anfall gezuckt habe. Sie konnte den Mann festhalten, den Schaffner rufen, der dann aktiv wurde.

So kam es in Rothenburg an der Wümme zu einem zweiten Zwischenhalt am Hausbahnsteig. Dazu musste der IC drei oder vier Gleise kreuzen. Etwa 15 Minuten mussten wir warten, bis mit Blaulicht ein Klinomobil auf dem Bahnsteig eintraf. Während dieser Zeit überholte uns ein RE in Richtung Hamburg.

Als wir weiter fuhren, hatte unser IC 30 Minuten Verspätung. Bis Hamburg-Harburg kamen laufend Durchsagen mit Informationen über Anschlüsse in Hamburg. Jeder, der weiter wollte, war bestens informiert. Unsere Sache war es, über diese logistische Leistung zu staunen. Als wir Flensburg erreichten, schauten wir nach unserer Schwiegertochter und unserer Enkeltochter aus. Sie waren nicht zu sehen. Am Bahnhofsausgang kamen uns beide entgegen. Ich schaute auf die Bahnhofsuhr. Sie zeigte 1 Minute vor der planmäßigen Ankunft unseres Zuges.

Wenn wir jetzt auf einen verspäteten Zug warten müssen, sagen wir immer: War sicher ein Notfall. – Wir wissen, wovon wir sprechen. Im Jahr zuvor ist meine Frau in der U-Bahn bei einem plötzlichen Bremsen so unglücklich gestürzt, dass sie ohnmächtig wurde. Bis nach 10 Minuten ein Notarzt kam, ruhte der Essener U-Bahn-Verkehr.