Ein Arbeitstag wie jeder andere. Gemütlich im ICE sitzend klingt mir immer noch die Durchsage des freundlichen Bahn-Mitarbeiters im Stellwerk des Nachbarortes in den Ohren: „Den weißen Strich auf dem Bahnsteig erst nach dem Anhalten eines Zuges überschreiten“. Und das 5-mal in einer Minute. Mich in meinem bequemen Sitz räkelnd, ist das aber schnell wieder vergessen. Noch 30 Minuten, und wir haben München erreicht.

Alles geht seinen gewohnten Gang, bis mich ein ungewöhnliches starkes Bremsmanöver aus dem Halbschlaf weckt. Ein kurzer Blick aus dem Fenster, wir sind noch weit vor dem Münchener Hauptbahnhof. Wir stehen. Fünf Minuten, zehn Minuten, 15 Minuten. Dann die Durchsage: ein vor uns fahrender Zug hat die Oberleitung beschädigt, teilweise heruntergerissen. Alle Fahrgäste müssen den Zug verlassen. Sehr schön, mitten auf der Strecke. Zum ersten Mal bemerkt man, wie hoch die Bahnsteige eigentlich sind. Der Sprung aus dem Zug auf den Schotter zwischen den Gleisen gelingt nur den jungen und beweglichen Menschen, viele alte müssen aus dem Zug getragen werden. Im Gänsemarsch führt uns ein Zugbegleiter über die Schienen, zum Glück gibt es gleich in der Nähe einen Fußweg für Angestellte der Bahn. Jetzt wäre ich gerne ein Vogel, diese Prozession mit Aktentaschen, Rucksäcken und Koffern muss aus der Luft interessant aussehen.

Nach zehn Minuten erreichen wir die S-Bahn-Station Donnersbergerbrücke und die dort bereits Wartenden schauen uns groß an: Wo kommen all die vielen Leute her?

Und so beginnt wieder ein Arbeitstag verspätet. Immerhin, mit der Deutschen Bahn wird es einem nicht langweilig. Bin neugierig, was der nächste Tag zu bieten hat.