Eines morgens, das Thermometer zeigte weniger als minus zehn Grad C, wartete ich in Buchholz/Nhd auf den Regionalexpress aus Bremen zur Weiterfahrt nach Hamburg. Die Lautsprecheansage verkündete zunächst: 35 bis 45 Minuten Verspätung. Dann hieß es: Der Zug ist gar nicht in Bremen losgefahren, fällt also aus. Die nächste Verbindung nach Hamburg ging früher, vor der Fahrplanumstellung, um 8.28. Die war aber schon von der Mehdorn-Reform im Dezember 2002 gestrichen worden, so warteten und froren knapp 100 Buchholzer bis zum nächsten fahrplanmäßigen Zug nach Hamburg um 8:50 Uhr. Der kam kurz vor neun - und ging nur bis Hamburg-Harburg. Wir sollten dort in die S-Bahn umsteigen, sagte der Lautsprecher in Buchholz. Allerdings, so stellte sich nach Ankunft in Harburg heraus, fielen bei der Hamburger S-Bahn auch Züge aus. Etwa der, der die 200 Nordheider aus Buchholz, Tostedt usw. aufnehmen sollte. Irgendwann kam dann eine S-Bahn (auch auf dem S-Bahnsteig herrschten weniger als minus zehn grad Celsius). Aber fragen Sie nicht, wie viele Wartenden sich dann in den ohnehin schon überfüllten Zug quetschen mussten.

Kurz vor neun und reichlich ramponiert kam ich dann in Hamburg an. Mehr als eine Stunde zu spät und zu drei Vierteln erfroren.

Am nächsten Tag bekam ich das Auto und meine Frau musste mit dem Zug fahren. Sie bestieg um 22:12, nach ihrer Spätschicht, frohen Mutes den Regionalexpress nach Bremen, der tatsächlich bereits in Hamburg am Bahnsteig stand, als sie am Hauptbahnhof ankam.

Indessen fuhr der Zug nicht los. Niemand machte eine Ansage. Gegen halb elf suchte meine Frau auf dem Bahnsteig nach einer Auskunftsperson, die ihr sagen konnte, wann oder ob der Zug überhaupt losfahren würde. Niemand da. Im Gleisvorsteher-Häuschen saßen vier Bahner und wärmten sich. Niemand wusste Antwort auf die präzisen Fragen meiner Frau. Immerhin bekam sie eine Begründung für die Verzögerung: Der Regionalexpress hatte kein Personal. "Und ohne Lokführer," so der Chef-Bahner, "kriegen wir das schwere Ding hier nicht vom Fleck." Wie der Zug denn in den Hamburger Hauptbahnhof gekommen sei, wollte meine Frau dann wissen. Die Antwort: Das voraus gegangene Zugführer und -begleiterteam hatte ihn dort abgestellt und nach Schichtende verlassen.

Andere Reisende, die mit dem Regionalexpress bis Bremen fahren und von dort aus umsteigen wollten nach Bremerhaven, Oldenburg und Delmenhorst, sorgten sich um ihre Anschlusszüge. Ob sie denn, für den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall verpasster Weiterfahr-Möglichkeiten, Taxi-Gutscheine bekommen könnten, fragten sie die Hamburger Bahner. Die, antworteten die Uniformierten, sollten sich die Reisenden doch bitte in Bremen besorgen. Was aber, wenn der Regionalexpress erst nach Mitternacht in Bremen eintreffe und dort niemand mehr sei zum Ausstellen von Taxi-Gutscheinen?

Das wüssten sie auch nicht, sagten die Bahner. Irgendwann kletterte ein Mensch in Jeans und Pullover ins Führerhaus der Lok und der Regionalexpress fuhr los, praktisch wie von Geisterhand ohne weitere Ankündigung. Meine Frau war irgendwann nach 23:00 Uhr zu Hause. Was aus den Oldenburgern, Delmenhorstern usw. wurde, das weiß der Geier.

Stellungnahme der DB:
Die größte Baustelle der Bahn hat nichts mit Streckenarbeiten oder Bahnhöfen zu tun - es ist die Kundeninformation im Störungsfall. Noch in diesem Frühjahr starten wir das Reisendeninformationssystem. Flächendeckend werden Kunden und Mitarbeiter schneller und zuverlässiger über Verspätungen und Anschlüsse informiert. Keine leichte Aufgabe bei einem derart komplexen und hochvernetzten System.