Neulich, im Zug, sprach mich ein fremder Mann an. Obwohl er eher nicht mein Typ war, sagte ich gleich ja, als er mir die entscheidende Frage stellte. Ich hatte lange darauf gewartet.

Genauer gesagt seit acht Monaten. So lange fuhr ich nun schon Bahn. Und im Laufe dieser Zeit, hatte sich in mir Einiges angestaut, das ich gerne einmal adressiert hätte. Doch wem sagen, wen fragen? Die überlasteten Schalterangestellten oder die gehetzt wirkenden Schaffner?

Die Antwort war der Mann vor mir. Das Bahnmanagement interessiere sich für meine Erfahrungen, sagte er mit sanfter Stimme, und bitte mich, einen Fragebogen auszufüllen. Ob ich dazu bereit sei? Was für eine Frage! JA!

Der erste Abschnitt begann mit einer fettgedruckten Anleitung. "Bitte beziehen Sie Ihre Antworten ausschließlich auf die von Ihnen gerade unternommene Bahnreise", stand da. Oh! So würde ich meine Anliegen aber nicht loswerden. Ich machte trotzdem weiter; vielleicht bot sich ja irgendwie doch noch Gelegenheit …

"Wie pünktlich ist der Zug, mit dem Sie gerade fahren?" lautete die erste Frage. "Pünktlich. Aber fragen sie mich mal, wie pünktlich der Zug war, mit dem ich neulich gefahren bin. Der kam erst gar nicht, und ich musste eine Stunde auf den nächsten warten. Kann ich das hier irgendwo dazuschreiben?" Nein, leider war kein Platz für Kommentare vorgesehen.

Nächste Frage: "Wie zufrieden sind sie mit dem Personal der Bahn in diesem Zug?" Gerade erst zugestiegen, war ich noch niemandem vom Personal begegnet. Insofern wäre es unfair gewesen zu sagen, ich sei nicht zufrieden. Also machte ich mein Kreuz bei "zufrieden" und las weiter. "Wie angenehm ist ihre aktuelle Reise?" Heute hatte ich einen Sitzplatz ergattert. Also "angenehm".

In diesem Stil ging es weiter. Bis zum Schluss gab mir die Bahn keine Chance, meine über "diese Reise" hinausgehenden Erfahrungen zum besten zu geben oder die Fragen zu stellen, die mich beschäftigten. Mir liegt das Ergebnis der Umfrage nicht vor, ich weiss nicht einmal, ob es veröffentlicht werden soll. Wie auch immer, ich denke, es wird sehr positiv ausfallen.

Bleibt zu erwähnen, dass der Zug, mit dem ich zurückfuhr, 20 Minuten Verspätung hatte, ich die Fahrt über im Gang stand, direkt vor einer Toilette, aber leider niemand vorbei kam, der mich nach meiner Befindlichkeit bei dieser Reise gefragt hätte.