Eine ICE-Fahrt von Stuttgart nach Berlin im Spätsommer. In Frankfurt stieg ein junges Paar zu – vielleicht 18 oder 19 Jahre alt. Sie waren schwer mit riesigen Trekking-Rucksäcken bepackt, die sie mit Mühe in die Gepäckablage wuchteten. Sie redeten in einer fremden Sprache, vermutlich polnisch. Bald schlief das Mädchen an der Seite des Jungen, die zwei schienen total übermüdet zu sein.

Alles war gut, bis der Schaffner kam. Er ließ sich die Fahrkarten des Pärchens zeigen und hatte prompt etwas zu beanstanden. Die zwei hatten ein Interrail-Ticket, aber keinen Zuschlag für den ICE. Der Mann neben mir zog die Augenbrauen hoch. Das war ja klar, dass die Polen keine gültige Fahrkarte haben. Das polnische Pärchen hatte indes das Problem noch gar nicht verstanden, da der Schaffner nur ein paar unverständliche englische Brocken hervorbrachte. Ein Mitreisender kam zu Hilfe und übersetzte. Als die beiden verstanden hatten, was los war, begann das Mädchen hemmungslos zu weinen. Der Junge erzählte, dass sie auf der Rückreise von Spanien nach Polen seien und kein deutsches Geld hätten, um den Zuschlag zu bezahlen. Es ging um einen Betrag von etwa zwanzig Mark. Der Schaffner sagte, die zwei könnten irgendwo aussteigen, sich das Geld vom EC-Automaten besorgen und den Zuschlag nachlösen. Wir saßen jedoch in dem letzten Zug nach Berlin. Würden die jungen Polen dem Vorschlag folgen, würden sie in jedem Fall den Anschluss in Berlin verpassen und damit den letzten Zug nach Polen. Sie müssten dann bis zum nächsten Morgen in der Stadt ausharren.

Der Schaffner sagte, er könne es nicht ändern, das sei nun einmal so mit dem Zuschlag. Da schaltete sich eine Mitreisende ein. Sie bot dem jungen Paar an, den Zuschlag zu bezahlen. Ende gut, alles gut? Nein, die beiden Polen wehrten sich heftig. Sie wollten das Geld nicht annehmen und stiegen tatsächlich an der nächsten Station aus.