Ich kenne weder deutsche Musik noch deutsche Bücher. Als 17-Jährige verschickte man mich während der Kulturrevolution aufs Land, und es dauerte fast zwanzig Jahre, bis ich nach Peking zurückkommen konnte. In der Zeit habe ich über die Welt nichts erfahren.

Doch heute beschäftige ich mich in meinem Beruf viel und gern mit Deutschland. Ich trage sogar deutsche Lederstiefel. Die Vertreter deutscher Banken verhalten sich mir gegenüber sehr partnerschaftlich. Obwohl Deutschland nach den USA und Japan die drittstärkste Volkswirtschaft der Welt ist und in Europa eine herausragende Rolle spielt, empfinde ich das Land als nicht überheblich. Schon deshalb möchte ich es kennen lernen. Vor allem aber interessiert mich der Euro. Mit seiner Einführung hat sich die EU als Gegenpol zu den USA etabliert und ein neues Gleichgewicht in der Welt geschaffen. Auch insofern sind Euro und Währungsunion für mich Vorbilder für den Rest der Welt. Wir in Asien diskutieren ja auch schon über Ähnliches. Doch müssten dafür China und Japan so eng zusammenarbeiten wie Deutschland und Frankreich – und bis dahin wird noch viel Zeit vergehen.

Mit Deutschland verbinde ich außerdem den Rhein und die Berliner Mauer. Mehr leider nicht. Ich wusste gar nicht, dass meine Waschmaschine von einer deutschen Firma ist. Da fällt mir ein, dass ich meinem Vater gerade einen Braun-Rasierer geschenkt habe. Der Verkäufer hat ihn mir aufgeschwatzt. Auch vom deutschen Essen weiß ich nichts. Aber wir Chinesen glauben sowieso, dass unsere Küche die beste der Welt ist. Deswegen soll es ja auch während unserer Reise durch Deutschland vorwiegend chinesisches Essen geben.