Heilbronn ist nicht gerade das Zentrum des Kunsthandels. Sechsmal im Jahr jedoch richten Glasliebhaber aus aller Welt ihr Augenmerk auf das dort ansässige Auktionshaus Dr. Jürgen Fischer, in dem am 22. Februar 732 Objekte des Jugendstils und des Art déco aus der Sammlung Giorgio Silzers versteigert werden. Schon früh begeisterte sich der 1920 geborene Geigenvirtuose und langjährige Konzertmeister der Deutschen Oper Berlin, der sich gern als "Medium für schöne Dinge, die zusammenkommen wollen", bezeichnete, für die kupferrot, honiggelb, goldrubinrosa, kobaltblau, dunkelviolett und moosgrün leuchtenden Glasgefäße aus französischen, böhmischen und deutschen Manufakturen.

1980 ging das Konvolut, das Silzer an die Deutsche Bank veräußert hatte, als Dauerleihgabe an das Augustinermuseum in Freiburg, wurde wissenschaftlich aufgearbeitet und, von Katalogen begleitet, ausgestellt. Dass sich die Bank nun von den Glasraritäten trennt, hat mehrere Gründe, wie der für die kulturellen Aktivitäten des Hauses zuständige Michael Münch sagt: "Wir konzentrieren uns aus Imagegründen auf zeitgenössische Kunst und die Kulturstiftung - da passt eine Kunstgewerbesammlung mit Stücken vergangener Jahrhunderte nicht mehr so recht ins Bild, zumal uns eine Präsentationsfläche fehlt."

Die zur Auflösung freigegebene Silzer-Sammlung füttere einen weitgehend "leer gefegten" Markt, sagt Winfried Leypoldt vom Aktionshaus Dr. Fischer. An den von der Formensprache Ostasiens inspirierten Jugendstilobjekten hätten vor allem Sammler aus Taiwan und Japan Interesse angemeldet, aus Amerika und Großbritannien kamen Anfragen, und von den Franzosen erwarte man nicht nur mit Blick auf die Stücke der bekannten Manufakturen aus Nancy ein reges Engagement.

Zu den Prachtstücken der Sammlung zählen eine von Auguste Heiligenstein um 1935 in Paris entworfene dickwandige, honiggelb leuchtende Kumme mit Streifen- und Wellenmustern (3000 Euro) und eine 1925 nach dem Entwurf von François Décorchement ausgeführte Schale (Bol, trois frises feuilles), aus Pâte de cristal in Kobaltblau, Violett, Grün und Gelb mit einem vertieften Fries aus wellenförmiger Blattranke und Backsteinornamenten (7000 Euro). Das kostbarste Stück der Versteigerung ist dem Schätzpreis nach das Zierglas Pavots et étoiles von 1900 aus der Manufaktur Daum aus Nancy. Die besonders aufwändig gearbeitete Einzelanfertigung mit zweiteiliger vergoldeter Silbermontierung und plastisch geschnittenem Mohn- und Sternendekor ist auf 25 000 Euro taxiert.

Zum Aufruf kommen außerdem Pokale, Vasen, Likörservice, Kelche, Gläser, Flakons und Schalen, eine Deckenlampe - ebenfalls von Daum - mit geätzten Brombeerranken aus dem Jahr 1910 (4500 Euro), eine kleine kugelförmige orangerote Tischlampe, La coupe fleurie, von Gabriel Argy-Rousseau, Paris 1923 (3300 Euro), und eine Tischlampe mit einem Bronzefuß in Form eines Kastanienzweigs und einem zart azurblauen Glasschirm mit aufgeschmolzenen Heidelbeerzweigen, entworfen 1930 von Marcel Corette in Nancy (2400 Euro).

Sind viele der französischen Gläser delikat geschmückt - mit floralen Motiven von Tulpen, Fuchsien, Hortensien, Löwenzahn, Heckenrosen, Krokussen, Veilchen, Erdbeeren, Klematis, Klatschmohn, Lerchenzweigen, Algen, Kakteen und Distelzweigen -, so bestechen die Gläser von Johann Lötz Witwe aus Böhmen durch die starke Stilisierung und den unvergleichlich irisierenden Glanz. Bei dessen 21 Zentimeter hoher Vase Phänomen Gre 388 (7500 Euro), die 1900 im Rahmen der Weltausstellung in Paris ausgestellt wurde, verschmelzen Form und Farbe in perfekter Harmonie.

137 Auktionen hat das im Heilbronner Trappenseeschlösschen ansässige Expertenteam um Jürgen Fischer bereits durchgeführt und sich in der fast 25jährigen Firmengeschichte neben Porzellan-, Fayence-, Steinzeug- und Silber- vor allem über Glasauktionen etabliert. Nicht nur in Deutschland steht Fischer außer Konkurrenz, auch international gesehen, ist es das einzige Haus, das innerhalb seiner regulären Auktionen Glas vom 15.