Jürgen Todenhöfer, 18 Jahre CDU-Bundestagsabgeordneter, kennt den Mittleren Osten. Er hat in den 1980er Jahren, nach dem Einfall der Russen, Afghanistan mehrmals bereist, später auch Irak. Er weiß, wie schrecklich die Lage dort ist, dass es infolge des Embargos an vielem fehlt, vor allem an Medikamenten und Betäubungsmitteln.

Sein Buch beginnt mit dem 11. September. Er versteht, dass die USA darauf reagieren mussten, hart, aber auch mit Bedacht. Weil er Amerika liebt, schrieb er vier Tage später an Präsident Bush und bat ihn sicherzustellen, "dass bei Ihren Vergeltungsschlägen nicht auf jeden getöteten Feind hundert tote Zivilpersonen kommen". Der Militärschlag in Afghanistan forderte doppelt so viele Zivilopfer wie der Angriff auf New York.

Mit Blick auf einen künftigen Krieg gegen Irak argumentiert der Autor humanitär, juristisch und realpolitisch. Die bewusste Inkaufnahme von Ziviltoten sei gleichbedeutend mit Vorsatz, sagt er als Jurist. Und realpolitisch: Terrorismus mit konventionellen militärischen Mitteln zu bekämpfen sei töricht.

Todenhöfer meint, dass die Politik der USA auf Vorwänden beruht. "Je verhandlungsbereiter und nachgiebiger Saddam Hussein auftrat, desto wütender ... wurden die Angriffe der amerikanischen Führung", schreibt er. Die Vorstellung, der Irak könne die USA angreifen, hält er mit Recht für Unsinn.

Auch für Verbindungen zwischen al-Qaida und Saddam Hussein gebe es keinerlei verlässliche Erkenntnisse. Auch sei Saddam Hussein kein Freund der Fundamentalisten, die er seit 20 Jahren im Irak brutal unterdrückt. Bin Laden nannte ihn einen "schlechten Moslem".

Der Westen hat Saddam Hussein viel Kriegsgerät geliefert, vom Hubschrauber bis zu Bakterienkulturen und Teile von chemischen Waffen. Aber diese Waffen wurden nach 1991 zum größten Teil zerstört. Irak ist heute schwächer als vor zehn Jahren, das wissen die USA ganz genau. In der Golfregion "zittert keine einzige Regierung vor Saddam Hussein", schreibt Todenhöfer. Gegen einen Präventivkrieg zum jetzigen Zeitpunkt haben sich daher etliche Falken in den USA ausgesprochen.