Es ist eine sehr kühne Behauptung, die Muslime hätten ihren Antisemitismus (sic) erst durch die Europäer kennengelernt. Faktum ist, dass eine Lockerung islamrechtlich begründeter Repressalien und Diskriminierungen der Schutzbefohlenen erst auf Druck der Europäer im späten 19. Jahrhundert erfolgte.

Es ist bedenklich, die geistig-religiöse Haltung des Islam als islamischen Antisemitismus zu bezeichnen. Dies weckt unerwünschte Assoziationen

denn die latent vorhandene, seit dem späten 19. Jahrhundert immer stärker artikulierte Abneigung der muslimischen Bevölkerung gegenüber Juden - nunmehr weltweit - hat keine rassistisch motivierten Beweggründe. Sie ist vielmehr im religiösen Selbstverständnis der Muslime, heute noch intensiver als je zuvor mit politischen Argumentationen verbrämt, anzusiedeln.

Schließlich verkennt Bassam Tibi die Position deutscher Islam-Experten und Orientalisten nach dem 11. September. Denn niemand "predigt" Verständnis für die islamische Kultur, die gerade Tibi in Form eines obskuren "Euro-Islams" hierzulande befürwortet. Vielmehr hat man in zahlreichen Vorträgen und Symposien auf die Gefahren hingewiesen, die durch eine unkontrollierte Interpretation der islamischen Quellen in Kreisen religiös-politischer Extremisten stets vorhanden sind und in ihren diversen Auslegungsformen durchaus islamische Wurzeln haben können.

Dr. Miklos Muranyi Siegburg