Am Morgen des 5. September 1433 erklimmt ein unauffällig gekleideter Mann mit auffällig gebogener Nase die Stufen des Palastes della Signoria in Florenz. Der Bankier Cosimo de’ Medici, 43 Jahre alt und von bescheidenem Auftreten, ist mit dem Hohen Rat der Stadt verabredet. Wieder einmal möchte er ein wenig Politik machen, wieder einmal höflich ein paar Anweisungen im Sinne seines Geldhauses erteilen. Er kommt nicht mal bis zur Tür. Bewaffnete Wächter nehmen ihn fest. Die Politik hat sich gegen die Medici gewandt.

Ein rivalisierender Clan, die Albizzi, hat die Ratsherren bestochen und erpresst. Cosimo de’ Medici findet sich in einer winzigen Zelle im Glockenturm des Palastes wieder. Einen Monat später müssen er und seine engsten Verwandten die Stadt verlassen. Die Medici werden für zehn Jahre nach Padua und Venedig verbannt, die Geschichtsschreiber der Zukunft, so scheint es, werden sich ihren Namen nicht merken müssen.

Und doch wird Cosimo de’ Medici wenig später sein Unternehmen zum größten Bank- und Handelshaus der Welt ausbauen. Seine Firmengruppe wird in Island und in Afrika vertreten sein. Seine Mitarbeiter werden über die Seidenstraße bis nach China reisen, seine Verwandten werden der Nachwelt die Kunst von Michelangelo und Botticelli schenken.

Jahrhunderte bevor das Wort Konzern überhaupt existiert, ist Cosimo de’ Medici die Hauptperson in einer Geschichte über finanzielle Größe und ökonomische Machtergreifung.

Aber was ist das Geheimnis seines Aufstiegs?

Zunächst einmal ist es ein Gemisch aus Bestechung und Beziehungen, doch das unterscheidet die Medici nicht von anderen Familien. Intrigen und Erpressung gehören im Florenz des 15. Jahrhunderts zum täglichen Geschäftsgebaren. Die Stadt ist ein kapitalistischer Frühentwickler. Nicht der grundbesitzende Adel oder die heilsversprechende Kirche dominieren die Politik, sondern das Geld. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts wird in Florenz der goldene Florin geprägt, die stabilste und am weitesten verbreitete Währung in Europa. Mit mehr als 20 Bankhäusern ist die 50000 Einwohner zählende Metropole das finanzielle Zentrum Norditaliens, die Schalterhalle der Stadtrepubliken Genua und Venedig. Deren Fürsten und Kaufleute dominieren den Welthandel, den sie mit Geld finanzieren, das sie sich in Florenz leihen. Bei Cosimo de’ Medici.

Aus Florenz in die Welt

Schon wenige Monate nach der Verbannung gewinnt die Medici-Fraktion in Florenz die Oberhand zurück. Sie zahlen mehr, sie intrigieren besser als andere Familien, und als die Albizzi die Stadt Florenz auch noch in eine blutige und verlorene Schlacht gegen das Herzogtum Mailand führen, heben die Ratsherren die Verbannung auf.