Wie soll man sich heute an die Stalin-Zeit erinnern? Ein beliebtes Verfahren ist der Versuch, hinter die propagandistische Fassade zu blicken, um die schreckliche Wirklichkeit zu entdecken. Die historische Aufarbeitung dieser Realität hat nach dem Tod Stalins begonnen, und sie ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Man kann sie getrost ihrem langsamen Gang überlassen, in der berechtigten Erwartung, dass sie noch vieles an Verbrechen und Grausamkeiten an den Tag bringt, was bis heute verborgen blieb. Eine solche Aufarbeitung der Vergangenheit übersieht aber meistens etwas - nämlich die Fassade selbst. Gerade die visuelle Kultur des Sozialistischen Realismus Stalinscher Prägung ist aber sehr interessant. Sie gehört bereits in eine Zeit, in der die globale kommerzielle Massenkultur von heute zum Durchbruch gelangte. Damals erhielt sie ihre Funktion, die sie nach wie vor ausübt. Die offizielle Kultur der Stalin-Zeit war ein Teil der globalen Massenkultur und lebte von den Hoffnungen, die diese Kultur weltweit weckte.