André Breton nannte sie eine mit einer Schleife drapierte Bombe: Frida Kahlo, eine Ikone der Widersprüche, die sich zu stolzer Explosivität verbinden. Ihrem körperlichen Leid und großer Einsamkeit setzte sie heiteren Überschwang, Lebensmut, exaltierte Selbstinszenierungen und ihre Malerei entgegen. Sie wurde zum Mythos verklärt, zum Etikett verkürzt, in den Dienst wechselnder Interessen und Projektionen gestellt. Nun hat ein Film die Kahlo erneut zur Gallionsfigur erkoren. Dabei dient Frida natürlich vor allem einem Zweck: der Hauptdarstellerin Salma Hayek einen Oscar einzubringen. Sie selbst hat den Film produziert, sich in die Hauptrolle gesetzt und die Regisseurin, Julie Taymor, bestimmt. Ihr Lebensgefährte Edward Norton hat das Drehbuch überarbeitet. Als "Frida Kahlo" will die mexikanische Schauspielerin sich und der Branche beweisen, dass sie nicht bloß zur schönen Staffage, sondern zur anspruchsvollen Rolle taugt. So darf man ihr nun in jeder Filmminute dabei zusehen, wie sie sich ehrgeizig abrackert, um schauspielerische Vielseitigkeit zu demonstrieren und ihr Publikum mit kindlich-rüpeligem Charme zu betören. Doch aus den Kinderschuhen kommt sie dabei einfach nicht heraus. Frida zeigt eine geglättete Künstlerpersönlichkeit, eine geliftete Lebensgeschichte, von einem mit Makellosigkeit gesegneten Körper transportiert, bei dessen Anblick nichts ferner liegt als der "Geruch nach toten Hunden", der ihrer Schwester zufolge vom wunden Körper der Kahlo ausgegangen sein soll. "Jetzt siehst du aus wie 'n echter Hollywoodstar", sagt Frida im Film zu Christina, mit Blick auf ein Porträt, das sie gerade von ihr anfertigt. In Hayden Herreras Biografie, auf die sich der Film ausdrücklich stützt, kommt dieser Satz nicht vor, und es darf bezweifelt werden, dass Hollywood im Leben der Malerin eine wichtige Bezugsgröße darstellte. Vielleicht aber liegt gerade hier der Schlüssel, der vom Film zum Vorbild führt: Verbindet die beiden Frauen am Ende der Wille, den Olymp zu besteigen, um den dort ansässigen Göttern die eigenen Gesetze zu diktieren?

So wie Frida Kahlo zu Lebzeiten die zutiefst patriarchalisch organisierten Zirkel der modernen Kunst erobern musste, muss Salma Hayek sich in die Herzen der kalifornischen Filmriesen spielen. "Wir alle wollten Teil des Films sein", sagt die Regisseurin Julie Taymor, "Teil von Salmas Traum." Vielleicht war es der Traum, gemeinsam die Giganten zu bezwingen

vielleicht aber auch nur der Traum einer Schleife, endlich mal eine Bombe drapieren zu dürfen.

Frida ist für sechs Oscars nominiert.