Madonnas Kleine blitzte ab

Nicht alle Eltern fühlen sich für diese Prüfung gewappnet. Deshalb gibt es Consulting-Firmen. Zum Beispiel Ivy Wise, deren Name verspricht, dass auf den Kindergarten die Eliteuniversitäten der Ivy League folgen. Bei der Beratung allerdings wird nicht mit den Kindern, sondern hauptsächlich an den Eltern gearbeitet. Denn diese "müssen eine gute Partie" abgeben, wie die selbstständige Erziehungsberaterin Emily Glickman formuliert. Das Manhattan Directory bemerkt dazu: "Manche Schulen haben sich entschieden, eine bestimmte Elternschaft zu kultivieren."

Und wie wird man eine gute Partie? Nicht unbedingt mit Vermögen. Erziehungsberater warnen, dass Millionenspenden auch Türen verschließen können, wenn sie wie Bestechungsgeld wirken – "vor allem in diesen Zeiten", in denen der Finanzskandal um das Y Gesprächsthema auf New Yorker Partys ist. Immerhin aber kann man mit entsprechender Brieftasche die Kindergartengebühren bezahlen und die Berater, die bis zu 4000 Dollar für ihre Hilfe berechnen.

Nicht zu vergessen sind die zehnmal 50 Dollar Bewerbungsgebühr; denn um eine Chance zu haben, sollten Eltern es am besten bei zehn exklusiven Schulen gleichzeitig versuchen. Warum aber muss es für manche unbedingt eine Krabbelgruppe wie Y sein? "Snobismus", sagt ein Erziehungsberater. Plätze in den elitären Kindergärten von Manhattan sind so wertvoll wie seltene Oldtimer: Sie sind Statussymbole. Damit kann man im Country Club noch Menschen neidisch machen. Dass es die Kleine von Madonna nicht ins Y geschafft hat, erhöht den Reiz nur noch.

Wer es schafft, für den gilt: If you can make it there, you can make it anywhere. Zumindest anywhere in der Grundschule, wie eine Studie der Yale University belegt. Kinder, die früh und gut gefördert wurden, haben es in der Grundschule viel leichter. Das kann einen Entwicklungsunterschied von bis zu einem Jahr ausmachen, sagt Wolfgang Tietze, Professor für Kleinkindpädagogik an der Freien Universität Berlin. Ein Vierjähriger in einer guten Nursery School überholt mit seinen sprachlichen Fähigkeiten Fünfjährige in schlechteren Gruppen.

Spitzenkindergärten wie das Y nennt Tietze daher auch "Hochleistungszentren", was nicht klingt wie der ideale Ort zum Aufwachsen. Er sagt aber auch, dass solche frühe Förderung keine "Kindesmisshandlung" sein müsse, wie man in Deutschland oft denkt. Im Y wollen Eltern nicht nur das Beste für ihre Kinder, sie wollen auch, dass ihre Kinder die Besten sind.

Sonst droht, was Woody Allen so beschreibt: "Sie hat es nicht in die richtige Krabbelgruppe geschafft, was heißt, dass sie nicht auf eine gute private Schule gehen wird, was heißt, dass sie es niemals in eine Eliteuniversität schaffen wird, was heißt, dass sie niemals einen guten Job haben wird." Gut findet er das nicht: "Ich meine, sie ist drei Jahre alt, und ihr Leben ist schon vorbei." Leider erzählt Woody Allen nicht, wie es seiner eigenen Tochter im Y gefällt. Mit Sophia und den anderen spielt sie dort Theater, stapelt Bauklötze, malt Bilder. Und bereitet sich vor. Denn in einer Welt, in der Krabbelgruppen Pressesprecher haben und Consulting-Firmen Kleinkinder betreuen, winkt schon die nächste Hürde: die Aufnahme in die Vorschule. Der Weg nach Harvard ist noch weit.