Berlin

In seiner Reaktion auf die Kriegsankündigung des amerikanischen Präsidenten hat der deutsche Bundeskanzler seinen Mitbürgern versprochen, weiterhin "jede noch so kleine Chance für den Frieden" zu nutzen. Dabei war auch ihm seit einiger Zeit bewusst, dass es keine friedliche Lösung des Irak-Konfliktes geben würde. Vielleicht hatte der Kanzler deshalb - schon vor dem Ende aller diplomatischen Bemühungen - die grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufbauhilfe für den Nachkriegs-Irak angedeutet. "Die Vereinten Nationen werden auf Deutschland immer zählen können. Das war so, und das bleibt so", erklärte Schröder. Wortgleich sekundierte Joschka Fischer zwei Tage später.

Und dennoch verbietet sich für Schröder und Fischer jede Konkretisierung einer deutschen Nachkriegsrolle im Irak - noch bevor die ersten Bomben gefallen sind. Bei der zeitweiligen Blockade der Türkei-Hilfe in der Nato war es ihnen darum gegangen, den Krieg durch die Beteiligung an militärischen Planungen nicht noch wahrscheinlicher zu machen. Nun will man vermeiden, durch allzu eilfertige Aufbauangebote in Vergessenheit geraten zu lassen, dass man den Krieg nach wie vor ablehnt. Deshalb zog der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Reinhold Robbe, den Unmut seiner SPD-Fraktionskollegen auf sich, als er offen über eine deutsche Beteiligung an Wiederaufbau und Friedenssicherung spekulierte. Selbst einen deutschen Beitrag bei einer "militärischen Absicherung" im Nachkriegs-Irak hatte Robbe nicht ausschließen wollen. Das tut auch der Verteidigungsminister nicht.

Darüber zu reden ist aber derzeit nicht opportun.

Dass die Amerikaner keine Berührungsängste haben, wenn es um Unterstützung beim Wiederaufbau eines kriegszerstörten Irak geht, hat gerade erst US-Botschafter Coats deutlich gemacht. Und auch Washington-Besucher aus dem Auswärtigen Amt wurden in jüngster Zeit unumwunden mit amerikanischen Nachkriegswünschen konfrontiert. Denn so entschieden die USA auf den Krieg zusteuerten, so unsicher sind sie, was jenseits der militärischen Auseinandersetzung auf sie zukommt.

Während der letzten Monate hat die Regierung immer wieder auf ihr Engagement in Bosnien, Afghanistan und im Rahmen der Anti-Terror-Koalition hingewiesen.

"Wir tun eine Menge für die internationale Sicherheit und Stabilität" war die Botschaft, mit der Schröder und Fischer ihren Anti-Kriegs-Konfrontationskurs abfederten. Zugleich deuteten sie damit schon an, dass man sich einem Post-Saddam-Prozess nicht verweigern werde. Auch in den Worten des Kanzlers, es sei nicht deutsche Art zu intervenieren und dann schnell wieder zu verschwinden, verbarg sich unter der Kritik an rein militärischen Strategien ein kompensatorisches Angebot.