Die Zeit: Die Weltgesundheitsorganisation hat die asiatische Lungeninfektion SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) zur globalen Bedrohung erklärt. Machen Sie sich auch Sorgen?

Reinhard Kurth: Der entscheidende Punkt ist, dass der Erreger noch nicht bekannt ist, aber solche Ausbrüche kennen wir in allen Erdteilen, gerade in Südostasien.

Zeit: Es wurden 150 Infizierte weltweit bestätigt, darunter neun Todesfälle – eine Letalität von sechs Prozent. Also ein Killerkeim?

Kurth: Gar keine Frage, das muss man ernst nehmen. Wobei auch die WHO nicht ganz sicher ist, ob alle Fälle auf denselben Erreger zurückzuführen sind.

Zeit: Die Virologen in Frankfurt, Marburg und Hamburg wollen ein Paramyxovirus in den Proben des Frankfurter Patienten entdeckt haben.

Kurth: Paramyxoviren sind eine heterogene Gruppe. Weder wir noch die Kollegen in Frankfurt und Marburg, noch das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg haben bisher den Erreger eindeutig identifiziert.

Zeit: Warum ist das so schwierig?