Kurth: Weil man im Ausschlussverfahren nichts fand. Der Erreger scheint kein Bakterium und kein Pilz zu sein, weil Antibiotika und Pilzmittel den Zustand Kranker nicht verbessern. Genauso wenig handelt es sich um einen neuartigen Influenzastamm, Lungenpest, die Legionärskrankheit oder ein respiratorisches SV-Virus. Die Krankheit ist keine typische Erkältung. Wir werden noch auf Parainfluenza-, insbesondere natürlich Paramyxoviren testen. Auch Adeno- und Rhino-Viren kommen infrage.

Zeit: Wie geht man vor nach dem Ausschluss der üblichen Verdächtigen?

Kurth: Mit der Vervielfältigung von Erregererbgut durch die PCR-Technik kann man bekannte Erreger innerhalb von einigen Stunden mit ziemlicher Sicherheit ausschließen. Außerdem sind bisher weder verdächtige Bakterien noch Pilze auf Nährmedien gewachsen. Eine weitere Untersuchungsschiene ist die Zellkultur. Es scheint sich bei dem Keim um ein Virus zu handeln. Wenn sich in den Zellen etwas entwickelt, könnte man ein Virus isolieren und elektronenmikroskopisch klassifizieren. Mithilfe der PCR-Technik ließe sich das Erbgut analysieren. Vermutlich handelt es sich hier um ein sehr seltenes Virus.

Zeit: Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Kurth: Der Indexfall ist dieser amerikanische Geschäftsmann, der in Hanoi erkrankte und dann nach Hongkong verlegt wurde, wo er verstarb. Das dortige Personal behandelte ihn ohne Schutzmaßnahmen, worauf sich die Hälfte, ungefähr 25 Menschen, infizierte. Offenbar wird man erst wirklich infektiös, wenn man sich schon in ärztliche Behandlung begeben hat. Andere Kontaktpersonen sind auch angesteckt worden, aber selten. Das Krankheitsbild ist ungewöhnlich, weil nur die Lunge infiziert ist. Bei Lungenentzündungen sind meist auch andere Organe betroffen.

Zeit: Was können Ärzte für SARS-Patienten tun?

Kurth: Erst einmal ist die Diagnose wichtig. Jedoch gibt es bei Viren kaum Medikamente, wenn es sich nicht gerade um HIV oder Herpes handelt. Man kann im Moment nur symptomatisch behandeln, das heißt Fieber senken, den Kreislauf stabilisieren, Flüssigkeit zuführen. Und damit sich keine Bakterien aufpfropfen, Antibiotika geben.