Zeit: Hätten wir nicht 150, sondern 10000 Infizierte, wäre keine Intensivpflege mehr möglich. Stiege die Letalitätsrate?

Kurth: Sicherlich – wenn man keine Intensivmedizin in ausreichendem Umfang zur Verfügung hat. Wir sehen aber im Moment die Dynamik in der Epidemie nicht.

Zeit: Ein anderes Szenario: Die Amerikaner greifen den Irak an. Der SARS-Erreger tritt in den Flüchtlingsströmen auf…

Kurth: Ich glaube nicht, dass der Erreger so schnell von Südostasien in den Irak kommt. Die WHO hat längst Vorbereitungen für den Fall getroffen, dass in den Flüchtlingslagern die üblichen Erreger auftreten. Das sind eher Cholera und Typhus.

Zeit: Also ist SARS keine große Gefahr für Deutschland?

Kurth: Wir müssen diese Fälle von den Erkältungskrankheiten abgrenzen, die wir um diese Jahreszeit immer in Deutschland haben. Außerdem liegen wir am Ende einer echten Influenzawelle, und auch in Asien ist derzeit Grippesaison. Aber ein wichtiger Punkt ist Reiseanamnese: Bekommt einer eine Grippe, ohne in Hanoi, Hongkong oder Singapur gewesen zu sein, besteht keine Gefahr. Natürlich hat es Aufregung verursacht, dass Betreuer im "Astronautenlook" drei Leute am Flieger abholten. Passagiere, die acht Stunden mit denen im Flugzeug saßen, sind dann etwas verängstigt.

Die Fragen stellte Ulrich Bahnsen