Der Tatort gehört zur ARD wie die Tagesschau, doch im Gegensatz zu den Nachrichten wird er oft außerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems produziert. Outsourcing - der eine liefert, der andere sendet - ist fast so alt wie das Fernsehen selbst. Heute nutzen das prominente Moderatoren. Ob Thomas Gottschalk (Wetten, dass ...?), Günther Jauch (Stern TV) oder Jörg Pilawa (Das Quiz mit Jörg Pilawa) - sie produzieren sich alle selbst. Sie haben Unternehmen gegründet, um den jeweiligen Sendern ihre eigene Show als fertigen Programmbaustein zu liefern. Auf diese Weise profitieren sie doppelt von ihrer Popularität, die sie ohne ARD und ZDF nicht erlangt hätten: Sie kassieren ein Moderatorenhonorar und den Gewinn der eigenen Firma. Ihr Nachteil: Die Sender können sich leicht von ihnen trennen, wenn die Zuschauer beginnen wegzuzappen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender betreiben auch eigene Produktionsgesellschaften oder halten wesentliche Beteiligungen an solchen Firmen. Zu den Größten zählen die Bavaria Film GmbH, das Studio Hamburg und die Drefa-Gruppe aus Dresden, die ihrerseits einige Dutzend Tochtergesellschaften und Beteiligungen führen. Als in den achtziger Jahren private Fernsehsender wie RTL oder Sat.1 antraten und einen Teil ihres Programms auf dem freien Markt einkauften, wuchs eine sehr reiche und vielfältige Produzentenszene heran, die im Boomjahr 2000 rund 2,3 Milliarden Euro umsetzte. Der Medienforscher Horst Röper hat 717 Anbieter gezählt, die einzelne Formate oder Serien produzieren.

Das sieht nach Vielfalt aus, doch gleichzeitig rollt eine Konzentrationswelle über den Markt. Bertelsmann, der die Sender RTL, RTL 2, Super RTL und Vox führt, versucht wie andere Medienkonzerne auch, die Szene zu beherrschen. Es ist Teil der Strategie, alle Wertschöpfungsstufen im Fernsehen zu besetzen.

So stehen der zunehmenden Zahl kleiner Unternehmen inzwischen zehn Gesellschaften gegenüber, die etwa 50 Prozent des Marktes ausmachen: Allen voran treiben die RTL-Sender diese Entwicklung voran

sie produzieren etwa Deutschland sucht den Superstar für RTL selbst oder Soko 5113 für das ZDF.

Ihnen folgen die Firmen der ehemaligen KirchGruppe, die Forsthaus Falkenau an das ZDF und Der Bergdoktor an Sat.1 liefern. Etabliert hat sich außerdem die zu einem spanischen Konzern gehörende Endemol (Big Brother und Wer wird Millionär? für RTL) sowie der Hamburger Spiegel Verlag mit Spiegel TV (für RTL), der Johannes B. Kerner Show (im ZDF) und Wa(h)re Liebe (bei Vox).

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben reagiert. Sie ließen ihre Bavaria Film GmbH expandieren und haben einige kleinere Gesellschaften übernommen.