Für Sonntag haben Moskaus Regisseure Tschetschenien ein Happy End vorgeschrieben. Die Republik im Nordkaukasus gibt sich unter dem Gefuchtel mit entsicherten Kalaschnikows mal schnell eine neue Verfassung.

Ein Referendum soll am Sonntag die Anbindung an Russland sichern und eine neue Macht mit späterer Präsidenten- und Parlamentswahl legitimieren. Die Propagandakämpfer des Kremls möchten das Verfassungspapier wie ein ziviles Camouflage-Netz über die Republik werfen, um die Gräuel des offiziell beendeten Krieges zu verbergen. Der Erfolg des Referendums ist garantiert, schon bei der russischen Präsidentenwahl vor drei Jahren fanden sich in den Urnen zwischen den Ruinen sage und schreibe 54 Prozent für den Feldherrn Putin. Zur Ergebnissicherung nehmen auch die in Tschetschenien stationierten Soldaten und Offiziere an der Verfassungsabstimmung teil.

Zu wahrhaftiger Zivilisierung der Republik fehlt dem Kreml der politische Wille. Fast alle Verbrechen der Streitkräfte bleiben ungesühnt. Die Bürger Tschetscheniens sind der Gewalt nächtlicher Todeskommandos ausgeliefert. Die Verwaltung ist korrupt, es mangelt an Wasser und Strom. Eine junge Generation wächst heran, die den Koran zur Rechtfertigung ihres Hasses heranzieht und für bin Laden schwärmt.