Trotz all dieser treuen Dienste, die der Mann in Panama den USA leistete, fiel er schließlich doch in Ungnade. Da war zum einen, 1987, die Entdeckung der CIA, dass Noriega auch für den kubanischen Geheimdienst arbeitete. Zum anderen hatten im Februar 1988 in Florida zwei Gerichte den General unter Anklage gestellt. Zwar war Noriega gerade noch wegen seines angeblich entschiedenen Kampfs gegen die Rauschgiftkriminalität von der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA schriftlich belobigt worden, doch jetzt sah sich der starke Mann Panamas selber mit dem Vorwurf des Drogenhandels und der Geldwäsche konfrontiert. Ein schwerwiegender Vorwurf – denn just in jenem Monat hatte die US-Regierung die Drogen zur größten Bedrohung der amerikanischen Gesellschaft erklärt.

Noriega, ein Mulatte, geboren 1938, aufgewachsen in einfachsten Verhältnissen, wurde 1983 Chef der Nationalgarde (wie sich die Armee nannte) und damit eigentlicher Machthaber im Land. Zwei Jahre zuvor war Panamas langjähriger Diktator Omar Torrijos, der sich 1968 an die Macht geputscht hatte, bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Torrijos war vor allem in den unteren Gesellschaftsschichten ein durchaus populärer Mann. Er hatte dem Land Sozialreformen verordnet, die mittelamerikanischen Guerillabewegungen unterstützt und mit US-Präsident Jimmy Carter die Rückgabe der Kanalzone ausgehandelt. 1978 erlaubte er Parteien, gründete selber die Revolutionäre Demokratische Partei (PRD), die bis zur Invasion der USA die Partei der Militärs bleiben sollte.

Doch trotz dieser politischen Öffnung – die Armee bestimmte auch weiterhin die Geschicke des Landes. Das zeigte sich schon bald nach Torrijos’ Tod. 1984 verhalf Noriega, der neue Armeechef, mit unlauteren Methoden Ardito Barletta zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen. Das störte die USA nicht, weil Barletta auch ihr Kandidat war. Doch dann wurde 1985 der Oppositionspolitiker Hugo Spadafora tot aufgefunden, kurz nachdem er angekündigt hatte, über den Drogen- und Waffenschmuggel Noriegas auszupacken.

Als Präsident Barletta unerwartet den Mord verurteilte und eine umfassende Aufklärung des Verbrechens versprach, zwang ihn Noriega zum Rücktritt und ersetzte ihn durch einen neuen Vertrauensmann namens Erick Arturo Delvalle. Es nützte nichts. Nach neuen Enthüllungen über die Verstrickung Noriegas in den Mord an Spadafora bildete sich eine weite, vor allem von den Mittelschichten getragene Oppositionsbewegung; auf Massendemonstrationen verlangte sie den Rücktritt des Generals. Washington stützte den Protest und sperrte im August 1987 die Wirtschafts- und Finanzhilfe für Panama. Unter dem geballten Druck der Opposition und der USA rang sich Präsident Delvalle im Februar 1988 schließlich durch, Noriega, der ihn eingesetzt hatte, abzusetzen. Doch der General berief schon kurz danach, zu nächtlicher Stunde, einen Teil des Parlaments ein und ließ Delvalle des Amtes entheben. Neuer Präsident von Noriegas Gnaden wurde nun Manuel Palma.

Delvalle flüchtete sich auf einen US-Stützpunkt und rief von dort zum Generalstreik auf. Die USA sperrten alle Zahlungen für die Nutzung ihrer Stützpunkte am Kanal und froren die Guthaben der panamaischen Nationalbank in den USA ein. Das Bargeld, in Panama seit eh und je der US-Dollar – eine eigene Währung hat das Land nicht –, wurde knapp, und die Regierung musste ihren Beamten das Gehalt schließlich in Reis, Bohnen, Zucker und Mehl auszahlen. Doch Noriega saß Krise und Protest aus. Ein Putschversuch im März 1988 scheiterte. Der Armeechef höhnte fröhlich: "Die Kugeln meiner Feinde schmecken mir wie Küsse."

Im März 1989 fanden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Sie endeten im inszenierten Chaos: Urnen wurden geklaut, Soldaten vertrieben Wahlbeobachter mit Schüssen. Als sich dennoch ein klarer Sieg der Opposition und ihres Kandidaten Guillermo Endara abzuzeichnen begann, annullierte Noriega kurzerhand die Wahlen.