Nach elf Tagen gibt Noriega auf. Als er das Gelände verlässt, nehmen ihn US-Soldaten fest. In einem Hubschrauber wird er zu einem Stützpunkt geflogen. Dort nimmt ihn die DEA in Empfang und setzt ihn in eine Sondermaschine nach Miami. Kaum wird bekannt, dass der Diktator weg ist, bricht in der Stadt unbeschreiblicher Jubel aus. Jetzt werden die US-Soldaten allgemein willkommen geheißen. Ihre Anwesenheit, die Besatzung, ist der Preis der Freiheit. Die GIs schaffen Sicherheit. Viele Panamaer geben (gegen eine Belohnung von 150 Dollar) ihre Waffen ab. Die Polizei wird neu aufgebaut, gemeinsam patrouillieren ihre Beamten mit US-Soldaten.

Doch bald macht sich Unmut über die ausbleibende Wirtschaftshilfe breit. Nicht einmal die zu Noriegas Zeit konfiszierten 200 Millionen Dollar will Washington herausrücken. Schließlich tritt der schwergewichtige neue Präsident in einen elftägigen Hungerstreik, nicht aus Protest gegen die USA, so betont er, sondern aus Solidarität mit den Armen. Böse Zungen allerdings behaupten, der "Honigkuchen", das "Schleckermaul", wie der 53-jährige Endara im Volk heißt, wolle nur abspecken, um bei seiner anstehenden Hochzeit neben der 24-jährigen Braut ein wenig frischer auszusehen.

Präsident Bush im Kokosnusshagel

Schon ein Jahr nach der Invasion, im Dezember 1990, demonstrieren in Panama-Stadt zwischen 50000 und 100000 Menschen gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung – und die Präsenz der US-Truppen im Land. Von den 420 Millionen Dollar, die Bush als Wirtschaftshilfe zugesagt hat, sind höchstens 100 Millionen ausgeschüttet worden. Der Rest bleibt an die Unterzeichnung eines neues Rechtsabkommens geknüpft, welches allerdings das Bankgeheimnis gefährden würde: Die USA wollen die Geldwäsche bekämpfen, und Panama fürchtet um einen der kargen Trümpfe, die es wirtschaftlich zu bieten hat – seine dubiose Attraktion als Finanzplatz. Als Bush im Juni 1992 zu Besuch kommt, fliegen ihm Kokosnüsse entgegen. Fluchtartig verlässt er die Rednertribüne in Tränengasschwaden.

Die ersten freien Wahlen seit 1968, seit der Machtergreifung General Torrijos‘, gewinnt 1994 ausgerechnet Ernesto Pérez Balladares, der Kandidat der PRD, der Partei Torrijos‘, der Partei der Militärs. "Torrijos lebt, obwohl er tot ist", sagt der Wahlsieger, "und Noriega ist tot, obwohl er noch lebt."

Fünf Jahre später wird Mireya Moscoso, die Witwe des einst von Torrijos gestürzten Arnulfo Arias, zur Präsidentin gewählt. Demokratische Machtwechsel – dies immerhin wäre eine schöne Folge des Interventionsschocks – scheinen in Panama normal zu werden. Am Silvesterabend 1999 ziehen die USA vertragsgemäß ihre letzten Soldaten aus der Kanalzone ab; Verhandlungen über einen Vertrag, der ihnen weiterhin eine Truppenpräsenz ermöglicht hätte, waren im Jahr zuvor überraschend geplatzt. Und 2001 wird Panama, die berüchtigte "Waschmaschine", sogar von der Schwarzen Liste jener Länder gestrichen, denen die OECD vorwirft, beim Kampf gegen die Geldwäsche nicht zu kooperieren. Manuel Antonio Noriega aber sitzt immer noch in den USA im Gefängnis, 1992 wegen Drogenhandels und Geldwäsche zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt.