Er: Kann ich genau sagen: um zehn. Wir gucken den Anfang vom heute-journal, dann gehen wir ins Bett. Meine Frau ist ja mit den Augen nicht mehr so gut dran…

Sie: …zweimal haben sie mich operiert, am Star…

Er: …und kurzsichtig warst du Edith, 7,7, und Lesen geht nicht mehr so gut.

Sie: Ja, und wenn wir dann ins Bett gehen, liest mir mein Mann die Bücher vor, die ich nicht mehr lesen kann.

Er: Das mache ich bis um elf. Dann haben wir an unserem Bett ein Radio stehen, da hören wir noch einmal Nachrichten über den Krieg, die Welt ist ja wieder ganz durcheinander jetzt. Und dann schlafen wir ein.

Sie: Ein Ritual haben wir noch. Als ich ihn gerade kennen gelernt hatte und er in der Untermieterbude wohnte, da hatte er so ein altes Sofa stehen, und ich saß da so, wie hier jetzt, und dann haben wir uns unterhalten, und auf einmal, um die Mittagszeit, da legt er sich lang, mit dem Kopf auf meinen Schoß – und schläft ein. Seit ich nicht mehr Sekretärin und mittags zu Hause bin, nehme ich mir ein Kissen auf den Schoß, und er legt sich wieder so lang, und dann lässt er sich streicheln und schläft ein. Das machen wir heute wieder so wie vor 55 Jahren. So ist es bald jeden Tag bei uns.